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Paul Bellamy (Gerard Depardieu) und seine Frau Francoise (Marie Bunel) zeigen sich in trauter Zweisamkeit im Kinofilm "Kommissar Bellamy" (undatiertes Szenenfoto).

"Kommissar Bellamy": Die Kritik zum Filmstart

Am Donnerstag kommt der Film "Kommissar Bellamy" in die Kinos. Lesen Sie hier die Kritik.

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Interview mit Regisseur Chabrol zum Filmstart

Beleibt, behäbig, phlegmatisch und ein wenig faul wirkt er auf den ersten Blick. Doch im Kopf ist Kommissar Bellamy, dem Gérard Depardieu seine füllige Statur leiht, immer einer der Schnellsten. Davon merkt man im Film allerdings vorerst nicht viel. Die Kamera gleitet in der Eröffnungssequenz gemächlich über einen Friedhof. Jemand pfeift eine Melodie von Georges Brassens. Dazu gerät kurz das Grab des Chansonniers ins Bild. Ort der Handlung ist demnach das südfranzösische Sète. Dort ist Brassens 1981 gestorben.

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Trailer zum Film "Kommissar Bellamy"

Friedlich liegen die Grabsteine in der Sonne, mediterran-luftig und sehr sehr beschaulich wirkt die Szenerie. Die Fahrt der Kamera endet nicht an der Friedhofsmauer, sondern geht darüber hinweg. Eine Klippe hinab. Darunter, am Strand, liegt ein ausgebranntes Auto, daneben eine zur Unkenntlichkeit verkohlte Leiche. Ein typischer Chabrol-Beginn.

Gérard Depardieu

Über 60 Spielfilme hat der französische Regie-Altmeister Claude Chabrol in seinem Leben bislang gedreht. Gérard Depardieu, Frankreichs erfolgreichster Schauspiel-Export, bringt es inzwischen auf gute 170 Produktionen. Trotzdem ist „Kommissar Bellamy“ für beide erstaunlicherweise die erste Zusammenarbeit.
Der 60-jährige Depardieu gehört seit den Siebzigern zu Frankreichs Kino-Elite. Zu seinen größten Erfolgen zählen Truffauts „Die Frau nebenan“ und „Die letzte Metro“, „Cyrano de Bergerac“, „Green Card“ und „Asterix und Obelix“. Neben seinen Auftritten als Schauspieler keltert und verkauft der bekennende Feinschmecker eigenen Wein. In Paris betreibt er zwei Restaurants, das „La Fontaine Gaillon“ und das am Gaillon-Platz direkt gegenüber liegende „L’Ecaille de la Fontaine“.

In die scheinbare Idylle der geordneten Bürgerlichkeit bricht das Böse ein. Der Erzählton bleibt dennoch sanft-gelassen, wenn der massige Bellamy und seine Frau (Marie Bunel) eingeführt werden. Man befindet sich zur Sommerfrische im Elternhaus der Gattin. Doch die Erholung endet rasch. Ein Unbekannter schleicht durch den Garten, drängt darauf, dem urlaubenden Ermittler einen Mord zu gestehen. Der Mann (Jacques Gamblin), der sich Noel Gentil nennt, will einen Obdachlosen umgebracht haben, um seiner Frau eine hohe Lebensversicherungssumme zuschanzen zu können. Im Gegenzug wollte er die finanziell versorgte Gattin für eine Jüngere sitzen lassen.
Die vergnügt sich aber mittlerweile bereits mit einem anderen und Gentil schmiedet neue Pläne. Der schwer in die Gänge kommenden, arg verworrenen Geschichte nach ist „Kommissar Bellamy“ mit Sicherheit nicht Claude Chabrols bester Film. Zu viel Nebenhandlungsstränge werden eingeführt, zu häufig darf Depardieu seinen üppigen Leib auf einem Fauteuil ausstrecken, hintergründig in die Ferne starren oder der Angetrauten an die Brust greifen.

Über weite Strecken plätschert der sichtlich als Hommage an Georges Simenons Figur des legendären Kommissar Maigret gedachte Krimi nur so dahin. Story und Bilder sind bloße Konfektionsware. Aber in manchen Szenen, besonders jenen zwischen Bellamy und seinem unvermittelt auftauchenden Halbbruder (Clovis Cornillac) blitzt die ironisch gebrochene Brillanz und unnachahmliche Virtuosität des Regisseurs markant auf.

Wenn es um die fein nuancierten Zwischentöne in den Reden des betrogenen Betrügers geht oder die Blickwechsel zwischen den sich belauernden Brüdern geht, dann ist Chabrol in seinem Element und lässt in kurzen Momenten die seelischen Abgründe seiner Figuren aufscheinen.

Bewertung: 3 Sternchen

von Ulrike Frick

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