Komödienstadl im Eiskanal

- Das ist natürlich Pech. Just in der Woche, in der die laut Werbung lustigste bayerische Komödie des Jahres in die Kinos kommt, stehlen politische Realsatiriker der CSU dem neuen bayerischen Regiestar Marcus Rosenmüller ein wenig die Show. Aber er muss sich keine Sorgen um "Schwere Jungs" machen.

Nach dem Sensationserfolg mit "Wer früher stirbt, ist länger tot" warten Kritik und Publikum ungeduldig auf seinen neuen Film, in dem zwar wieder Mundart gesprochen wird, der aber ansonsten nicht allzu viel mit dem genial-vogelwilden Vorgänger gemein hat. War "Wer früher stirbt" noch ein Volksstück mit verquerem Charme, ist "Schwere Jungs" reines Boulevardtheater. Handwerklich hervorragend und mit sicherem Gespür für das Setzen von Pointen. Aber es ist eben Komödienstadl auf Leinwand.

Bobfahrer: Erst an die Gurgel, dann gemeinsam zu Gold

Ironischerweise liegt das wohl daran, dass Rosenmüller diesmal darauf geachtet hat, dass auch Nicht-Bayern folgen können. Für einen Film, der vom Sprachwitz der Mundart leben soll, ist das nicht eben hilfreich. Und so klingt es manchmal nach artifiziellem Salonbaierisch, wenn die Geschichte der zwei Bobteams erzählt wird, die sich bei den Olympischen Winterspielen 1952 in Oslo erst an die Gurgel gehen und dann mit vereinten Kräften die Goldmedaille gewinnen.

Wahre Begebenheit, schnörkellos inszeniert

All dies beruht auf einer wahren Begebenheit, aber Rosenmüller hat das sehr frei zu einem rustikalen Komödienepos gemacht. Er inszeniert schnörkellos, lehnt sich bei der Dramaturgie an große Hollywood-Vorbilder an, auch wenn er solches clever ins Bayerische transponiert.

Dabei kann Rosenmüller auf Hauptdarsteller zählen, die das glaubwürdig vortragen. Als ewige Rivalen Gamser (Sebastian Bezzel) und Dorfler (Burgschauspieler Nicholas Ofczarek), die sich ein Leben lang mit Hingabe befehden und dann gezwungen sind, sich zusammenzuraufen, sind sie der Kitt des Films und verhindern, dass er in die Klamotte abgleitet. Denn gelegentlich schrammt "Schwere Jungs" schon bedenklich nahe am Niveau von Hallervordens berüchtigtem "Nonstop-Nonsens" vorbei.

Pastewka stolpert als Witzfigur durch die Szenerie

Rosenmüller verdankt seinen Schauspielern viel. Wenn etwa Bastian Pastewka und Horst Krause als Witzfiguren durch die Szenerie stolpern, tun sie das großartig und verwandeln potenziell schwachsinnige Szenen in kleine Höhepunkte. Leider gelingt das nicht allen, und manche, wie Maximilian Brückner als Sportreporter, werden notorisch unterfordert.

Trotz allem: "Schwere Jungs" ist ein funktionierender Unterhaltungsfilm geworden ­ für alle, die gerne auf diese Art unterhalten werden wollen. Und wenn sich die Erzfeinde mit einem fantastischen Dialog ("I hab di no nia mögn." Pause. "I woaß.") ausgiebig aussprechen, weiß man wieder, weshalb man Rosenmüller mag. Der Mann kann es noch viel besser.

Ab morgen in München: Mathäser, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, City, Rio, Sendlinger Tor, Gabriel, Kino Solln

"Schwere Jungs"

mit Sebastian Bezzel,

Nicholas Ofczarek

Regie: Marcus H. Rosenmüller

Annehmbar ***

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