Weg vom Komödienwunder

- Das Dokumentarfilm-Festival ist eigentlich eine Veranstaltung, die schon in diesem Frühjahr in München stattgefunden hat. Daher überrascht es ein wenig, in der aktuellen Filmfest-Reihe "Made in Germany - Deutsche Kinofilme" gleich zwei Dokus zu finden. Lässt sich hier etwa eine Aussage über die fehlende Qualität der einheimischen Spielfilm-Produktionen ableiten?

<P>So anrührend, poetisch, wunderlich und großartig "Augenlied" von Mischka Popp und Thomas Bergmann oder "Die Geschichte vom weinenden Kamel" von Byambasuren Davaa und Luigi Falorni sein mögen - sie in dieser Sektion anzutreffen, verwundert. Dabei bieten die übrigen Beiträge genügend Themenvielfalt: Heißester Kandidat auf den Hypo-Preis für den besten deutschen Newcomer-Streifen dürfte "Liegen lernen" von Hendrik Handloegten sein. Der frühere Betreiber des Eiszeit-Kinos in Berlin hat für sein Debütwerk den gleichnamigen Roman von Frank Goosen in prägnante, absurd-komische Bilder umgesetzt.<BR><BR>Der 32-jährige Helmut (Fabian Busch), von seiner Freundin als "extrem beziehungsgestört" bezeichnet, erinnert sich an seine Jugend in den 80er-Jahren, an seine Vergangenheit als "drogenabstinenter, heterosexueller Nichtdemonstrierer" in einer Stadt im Ruhrpott. Handloegten schafft es, den spröden Charme des Romans auf derselben Wellenlänge zu inszenieren. Ansonsten ist den meisten deutschen Nachwuchsregisseuren der Humor offenbar in der Filmhochschule ausgetrieben worden. </P><P>"Hierankl" von Hans Steinbichler ist ein düsteres Familiendrama aus dem Alpenvorland, das mit herrlichen Aufnahmen und grandiosen Schauspielern wie Barbara Sukowa, Josef Bierbichler oder Peter Simonischek wuchert. Die Einführung der geheimnisumwitterten Familienmitglieder, das Auftauchen des Fremden aus der Stadt, die Rückkehr der verlorenen Tochter, Inzest und Ehebruch - Steinbichler gelingt es zwar, diese Tragödien biblischen Ausmaßes tatsächlich unter einen Hut zu bekommen. Aber ein, zwei Katastrophen weniger am 60. Geburtstag des Vaters hätten es womöglich ebenso getan.<BR><BR>Auch Susanne Schneider hat sich für ihren rundherum stimmigen Spielfilm "In einer Nacht wie dieser" kein locker-leichtes Thema ausgesucht. Dabei beginnt es ganz harmlos: Sally und ihre Freundinnen Persica und Kika bitten den Außenseiter Jack aus ihrer Klasse, ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen. Doch ausgerechnet in dem Moment, in dem sie sich dem schüchternen Jack etwas offenherziger präsentiert, platzt Sallys Vater ins Zimmer. Erschrocken behaupten die Freundinnen, Jack wollte Sally vergewaltigen - und setzen mit dieser unbedachten Behauptung eine fatale Kettenreaktion in Gang.<BR><BR>Vom deutschen Komödienwunder ist nichts mehr zu sehen beim diesjährigen Münchner Filmfest. Die Frage ist eher, wie nahe die hiesigen Filmemacher sich plötzlich wieder den mitunter arg erdenschweren Streifen des viel zitierten Autorenkinos der Siebziger fühlen. Streckenweise etwas zu nah.</P>

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