Konversation per Stichwort-Tafel

- Es klingt paradox, aber offenkundig sitzen im erzkapitalistischen Disney-Konzern die letzten aufrechten Liberalen der USA. Seit Jahren wird in den Animationsfilmen Toleranz gepredigt und betont, dass die wahren Werte nichts mit Geld zu tun haben. So ist das auch in "Himmel und Huhn". Hühnchen Junior wird in der Schule gemobbt und leidet darunter, dass der Vater ein Sport-Ass war. Je verzweifelter das junge Huhn um Anerkennung ringt, desto peinlicher eifert es dem Vater nach. Der wiederum versteht nicht, was mit dem Nachwuchs los ist, während der Sohn zur Lachnummer der Stadt wird, als er behauptet, ihm sei ein Stück Himmel auf den Kopf gefallen.

Technisch perfekt, aber ein wenig lieblos wird vom Verlierer erzählt, der doch noch zum Helden wird. Das Stück vom Himmel erweist sich als Teil eines Raumschiffs, und versehentlich beginnen die Außerirdischen mit der Zerstörung der Welt. Hühnchen Junior klärt das Missverständnis. Ansonsten wird das Hohe Lied auf Freundschaft, Respekt und Familie gesungen. Vor allem um die Sprachlosigkeit zwischen Vätern und Söhnen geht es, die bekanntermaßen nicht reden, jedenfalls nicht über Gefühle.

Das ist unterhaltsam verpackt, aber ein wenig hölzern. In der deutschen Fassung machen es einem zudem die Sprecher schwer. Während im Original versierte Schauspieler den Figuren Seele verleihen, setzt man in Deutschland auf Promis wie Verena Pooth und Boris Becker. Münchens OB Christian Ude immerhin schlägt sich beachtlich und beweist Selbstironie. Er vertont den Bürgermeister (ein Truthahn), der für einfachste Konversation Stichwort-Tafeln braucht. (In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Cadillac, Autokino, Cinema i.O., Forum.) 

"Himmel und Huhn"

Regie: Marc Dindal

Annehmbar

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