Im Kosovo-Trauma

- Von erschreckender Aktualität angesichts des Irak-Kriegs ist William Friedkins Polizei-Thriller "Die Stunde des Jägers" über einen amerikanischen Kosovo-Kämpfer, der nach seiner Rückkehr in die Heimat nicht mehr abschalten kann und durchdreht. Wurde der Soldat für seine Fähigkeit zu töten mit einem Orden dekoriert, so ruft die Ausübung der gleichen "Kunst" in der Heimat natürlich den ganzen FBI-Apparat auf den Plan.

 Doch die komplizierte Technik versagt. Nur sein alter Ausbilder kann mit dem verrückten Kämpfer fertig werden und das menschliche "Wild" quer durch die amerikanischen Wälder jagen, aufspüren und zur Strecke bringen.

Der Film lebt vom ewigen Konflikt zwischen dem gelehrigen Musterschüler (Benicio del Toro) und seinem alten Lehrer (Tommy Lee Jones). Während dem Alten der Ausstieg aus dem blutigen Geschäft gelang, konnte der Junge nach den Kriegs-Erfahrungen nicht mehr loslassen. Friedkin inszenierte die Menschenjagd routiniert, mit ständigen Wechseln von Perspektive und Tempo. Immer wieder werden die Rollen von Katz' und Maus vertauscht.

Trotzdem kann der Film den Zuschauer nur mit Mühe in den Sog der Handlung hineinziehen und muss einigen technischen Schnickschnack, spektakuläre Action-Szenen und Schock-Wirkungen aus der Trickkiste zaubern, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Dies hängt vor allem an der Motivationslücke für die Fortsetzung des Tötens, die sich aus den gezeigten Gräueln des Kosovo-Kriegs allein nicht erklären lässt. Hier hätte das Drehbuch mehr Psychologie einsetzen müssen, statt eine unausgegorene Mischung aus Polizei-, Pionier-, Kriegs- und Spurensuchen-Film zu vermitteln. Zwar professionell gemacht, aber zu planlos konzipiert. (In München: Marmorhaus, Maxx, Gabriel, Cinema i.O.)

"Die Stunde des Jägers"

mit Tommy Lee Jones, Connie Nelson

Regie: William Friedkin

Erträglich

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