"Der Kreis": Einfühlsame Liebesgeschichte

Basierend auf einer wahren Begebenheit kombiniert Stefan Haupts „Der Kreis“ Fiktion und Dokumentation. Sein Drama wurde auf der Berlinale mit dem schwul-lesbischen Filmpreis geehrt.

„Unsereins und Schule, das geht gar nicht gut zusammen!“ Aus diesem Grund schließt sich Lehrer Ernst Ostertag auch nur im Geheimen der Schwulenorganisation „Der Kreis“ an – und kann als schwuler Mann in der Schweiz Anfang der Sechzigerjahre, als Homosexualität kaum toleriert wurde, erstmals er selbst sein.

„Der Kreis“ heißt nicht nur die Organisation und deren Zeitschrift, sondern ist auch Titel von Stefan Haupts Film, der auf wahren Begebenheiten beruht und daher dokumentarischen Charakter hat. Mitfühlend, aber nicht unbedingt mitreißend wird die Geschichte von Ostertags Eintritt in die Schwulenszene und von dessen Liebe zu Röbi Rapp erzählt, der wiederum in anderen Verhältnissen aufwuchs als sein Freund: Für Rapps Mutter ist die sexuelle Orientierung des Sohnes längst Normalität – ganz anders als bei Ostertags.

Das Liebespaar Rapp und Ostertag berichtet zwischen den fiktionalen Szenen in kurzen Interviews von damals, vom Aufstieg und Niedergang der Schwulenorganisation, die für einige Mitglieder Familie war. Diese Einspieler runden die narrative Ebene des Filmes schön ab. Stefan Haupt gelingt in „Der Kreis“ die Darstellung einer Liebesgeschichte, die den Zuschauer berührt, einfühlsam ist und emotional. Von den Darstellern ist Sven Schelker als Röbi hervorzuheben, der bei divenhaften Auftritten als Transvestit ebenso glänzt, wie er die zerbrechliche Seite der Figur grandios verkörpert.

Julia Haller

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