L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt ist gestorben

L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt ist gestorben

Der Kreisel

- Ein humorvoller, mitreißender Film. Wie alle guten Komödien ist es eigentlich eine recht traurige Geschichte. Denn die 18-jährige Annika ist zum zweiten Mal in der zwölften Klasse sitzen geblieben. Das Abitur ist futsch. Aber das Scheitern ihren Eltern zu gestehen, schafft sie nicht. Also geht sie - nicht ins Gymnasium, wie die Eltern denken, sondern in eine unwirtliche Trabantenstadt, wo sie sich in einen schrottreifen Autobus zurückzieht und dort in den Tag hinein lebt.

Dort lernt sie Kai kennen und verliebt sich zögerlich. Aber ihr Problem ist damit noch nicht gelöst. Denn immerzu lügen ist schwer, wie sie bilanziert: "Mit einer Lüge lebst du wie ein Kreisel. So lange du schnell genug rotierst, scheint das Leben still zu stehen. Doch wenn du langsamer wirst, gerät alles ins Trudeln." Annika weiß, dass ihre Lügen irgendwann auffliegen. Aber sie findet keine Kraft herauszukommen. Und die Abi-Feier rückt näher.

"Wahrheit oder Pflicht" ist das gelungene Debüt von Jan Martin Scharf und Arne Nolting an der Kölner "Kunsthochschule für Medien". Verdientermaßen kommt es jetzt ins Kino. Glänzend und dynamisch formt Theaterschauspielerin Katharina Schüttler die Hauptrolle. Sie müsste ihr auch im Kino den Durchbruch bringen, den sie eigentlich schon seit "Sophiiiie!!" verdient hätte.

Sehr witzig sind vor allem die verdichteten Momentaufnahmen aus Annikas Elternhaus: Der Vater ist ein schmissiger Pilot, die Mutter Lokalpolitikerin, ihrer Tochter gegenüber allgemein ehrgeizig und konkret überfordert. Beide hören Annika gar nicht zu. Hier wird "Wahrheit oder Pflicht" zur Satire aufs Bürgertum; denn der Film zeichnet sich aus durch genaue Beobachtungen, gut gestaltete Interieurs, klar entlarvte Alltags-Rhetorik, durch die Lebenslügen von Annikas Umwelt also, die in ihrer versteckten Gewalt Basis und Voraussetzung ihres Schicksals sind.

Auf den Filmfestivals von Saarbrücken und Emden wurde "Wahrheit oder Pflicht" zu Recht ausgezeichnet. Untergründig ist das auch der traurige Film über eine Gesellschaft, in der man schon als gescheitert gilt, wenn einem die Eintrittskarte Abitur fehlt. Eigentlich aber ist es eine klassische Geschichte über das Erwachsenwerden, über das Lernen, die Lebenslügen abzuwerfen. Auch die der anderen, die sich in Erwartungen verpacken. (In München: Isabella.)

"Wahrheit oder Pflicht"

mit Katharina Schüttler

Regie: Jan Martin Scharf,

Arne Nolting

Hervorragend

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