Krieg der Roboter

München - Transformer sind Roboter, die blitzschnell Form und Funktion verändern können. Als Spielzeug, Computerspiel und Comic haben sie seit 20 Jahren viele Fans. Jetzt kommt die erste Realverfilmung ins Kino.

Zugegeben: Auch wenn man sich anstrengen würde, fiele einem schwerlich eine blödere Geschichte ein als jene, die Michael Bay in "Transformers" erzählt. Rivalisierende außerirdische Roboter, die sich in alle möglichen und unmöglichen Apparaturen verwandeln können, fechten ihre Fehde auf der Erde aus. Viel mehr an Handlung gibt es nicht. Erstaunlicherweise ist der Film trotzdem unterhaltsam, auch wenn es sich um eine willkürliche Anhäufung infantiler Schnapsideen handelt. Ein Verdienst der Autoren, die begriffen haben, dass es keinen Sinn hat, so zu tun, als wäre "Transformers" etwas anderes als eine gigantische Zeittotschlagemaschine. Und wenn das schon so ist, kann man dabei ja seinen Spaß haben. So wird mit viel Ironie, Trickgewittern und einer gut aufgelegten Besetzung Zeit tot geschlagen, dass es eine Wonne ist - sofern man das Verlangen danach hat.

Rasant und ohne sich mit Schlenkern aufzuhalten, kann man dem Teenager Sam (Shia LaBeouf) dabei zusehen, wie er am Leben verzweifelt. Seine Traumfrau ignoriert ihn, seine Eltern sind peinliche Spießer, und sein erstes Auto erweist sich als Schrottlaube - aber nur auf den ersten Blick. In Wahrheit ist es ein Transformer, der auf der Erde nach einem mysteriösen Metallwürfel sucht, der vernichtet werden muss, um die Menschheit zu retten. Der kundige Zuschauer fragt da lieber nicht nach, um sich nicht die Freude zu verderben. Jedenfalls werden Sam, seine Eltern und seine Traumfrau in den Krieg zwischen freundlichen und nicht ganz so freundlichen Robotern hineingezogen. Und der kleine Versager Sam erhält die Chance, sich als Weltenretter zu bewähren und seiner Traumfrau doch ein wenig zu imponieren.

Die spektakulärsten Effekte hebt sich Bay clever für das Finale auf, wenn sich die gigantischen Roboter in schier endlosen Schlachtszenen bekämpfen, in aberwitzigem Tempo ihre Form verändern und dabei beachtliche Teile der USA in Schutt und Asche legen. Dazwischen ist noch ein bisschen Platz für den Lobpreis der US-Armee, die schon lange nicht mehr mit so verführerisch suggestiven Bildern beworben wurde.

Aber der wahre Held ist eben kein Marine (auch wenn ein aufrechter Trupp Soldaten pflichtgemäß auftaucht), sondern ein vom Leben leicht überforderter Teenager, das macht die Sache sympathisch. Aus dem Gegensatz zwischen Pubertätsproblemen und drohendem Ende der Menschheit bezieht der Film einen Großteil seines Witzes. Dass das funktioniert, liegt an Hauptdarsteller Shia LaBeouf, der an den jungen Dustin Hoffman erinnert und dieselben Starqualitäten hat. Dem Jungen schaut man gerne zu, auch wenn es eigentlich nichts zu sehen gibt. In einem Film wie "Transformers" ist so ein Schauspieler Gold wert, denn er lenkt von den immensen logischen Löchern und teilweise dumm-pathetischen Phrasen ab. Überhaupt gelingt es Regisseur Bay mit liebevollen kleinen Details und Gags sehr geschickt Interesse am belanglosen Plot zu erzeugen. So darf sich John Turturro in einem fulminanten Gastauftritt als hysterischer Law-and-Order-Fanatiker austoben, und Julie White begeistert mit kurzen Auftritten als Mutter Sams, die zur Unzeit über verschlossene Kinderzimmertüren und Selbstbefriedigung diskutieren möchte.

Ein harmloser, kurzweiliger Filmspaß, der viel erträglicher ausgefallen ist, als zu befürchten war, und während des Abspanns eine böse Pointe bereit hält. Sams Eltern geben da ein TV-Interview und sagen völlig ernst: "Die Regierung würde uns nie belügen. Wir sind schließlich in Amerika!".

"Transformers"

mit Shia LaBeouf, Megan Fox

Regie: Michael Bay

Annehmbar ***

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