Krieger wie Halbgötter

- Der 28-jährige Schauspieler Jacky Ido wurde als Kind französischer Eltern im afrikanischen Burkina Faso geboren, wuchs aber größtenteils in einer Kleinstadt nahe Paris auf. Nach einer Theater-Ausbildung und mehreren TV-Filmen spielt Ido nun in Hermine Hundgeburths Film "Die weiße Massai", gedreht nach dem gleichnamigen Buch, einem authentischen Lebensbericht der Schweizerin Corinne Hofmann.

"Die weiße Massai" läuft ab morgen in den Kinos. Jacky Ido spielt darin - an der Seite von Nina Hoss - seine erste Kinorolle: den Massai-Krieger Lemalian, der von einer Schweizerin geheiratet wird.

Sie wurden in Afrika geboren, wuchsen in Frankreich auf, jetzt spielen Sie einen Afrikaner. Fühlen Sie sich zwischen beiden Kontinenten hin und her gerissen?

Ido: Wenn man ein Kind ist, kann es verwirrend sein. Ein Erwachsener versteht, dass es eine Stärke ist, dass die doppelte Kultur einem Kraft geben kann. Ich muss mich nicht zwischen meinen zwei Kulturen entscheiden, ich bin beides.

Wie kamen Sie zur Schauspielerei?

Ido: Mein Wunsch, Schauspieler zu werden, kam durch den Regisseursberuf. Ich habe eine Regie-Ausbildung hinter mir und bereits mehrere eigene Kurzfilme gedreht. Mich hat die Arbeit mit Schauspielern interessiert, und irgendwann begann ich dann, selber zu spielen, zuerst am Theater, dann in TV-Filmen.

Und wie kamen Sie dazu, in einem deutschen Kinofilm zu spielen?

Ido: Zufällig hörte ich von dem Casting und bewarb mich für die Rolle. Ich bin eigentlich zu groß und zu kräftig für einen Massai. Die sind dünner. Aber die Rolle reizte mich, und darum habe ich für sie 16 Kilo abgenommen.

Wussten Sie vor dem Film etwas über Leben und Kultur der Massai?

Ido: Nein. Ich wusste überhaupt nichts von Ostafrika. Ich kannte nur Westafrika. Man vergisst immer, dass dieser Kontinent kein monolithischer Block ist, sondern ungemein vielfältig. Afrikaner sind keineswegs alle gleich. Hinzu kommt, dass die Samburu-Massai nur ein einziger von 42 kenianischen Stämmen sind. Auch die Kenianer kennen sie nicht sehr gut. Insofern war das eine Reise in eine Kultur, die zunehmend abstirbt.

Hatten Sie Zeit, diese näher kennen zu lernen?

Ido: Unbedingt! Das war mein Hauptinteresse. Ich lebte vor dem Dreh fünf Wochen bei den Massai, lernte die Sprache, lernte, die Kleidung zu tragen und die Waffen zu gebrauchen, und allmählich begriff ich etwas von deren Leben.

Es ist eine Männerkultur, die Krieger scheinen sehr stolz.

Ido: Oh ja. Sie geben sehr genau auf sich Acht, wie Supermodels. Sie verbringen drei bis vier Stunden pro Tag damit, sich zu pflegen, zu trainieren. Die übrigen im Stamm behandeln sie wie Halbgötter - denn sie sollen die Gemeinschaft beschützen, wenn es darauf ankommt.

Wie verstehen Sie diese Liebesgeschichte zwischen einem Massai und einer Europäerin? Der Film hat ja kein Happy-End und scheint damit zu sagen, dass solche kulturübergreifenden Beziehungen keine Chance haben?

Ido: Liebesgeschichten funktionieren nun mal oft nicht - auch innerhalb der gleichen Kultur. Die Gründe für das Scheitern liegen sicher auch in kulturellen Unterschieden. Weil die Massai sehr stolz sind, dulden sie keine Menschen, die sie als Eindringlinge empfinden. Der Film beschreibt den hohen Preis, den man für solche Paranoia zahlen muss. Völker kann man nicht abschotten, man sollte Toleranz an den Tag legen oder sich zumindest darum bemühen.

Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland

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