+
Bushido.

Film über Bushidos Leben: Wie der Krieger Opfer wird

München - Regisseur Uli Edel sowie sein Produzent und Autor Bernd Eichinger haben bei ihrem Film „Zeiten ändern Dich“ einen entscheidenden Fehler gemacht: Sie haben Bushido nicht ernst genommen.

Lesen Sie auch:

Bushido & Co.: Der Stadtrat zieht sich "Hassmusik" rein

Hätten sie es getan, hätten sie erkannt, dass dieser ein Musiker ist – unbestritten mit Talent für Reime, Sprachmelodien und massentauglichen Rhythmen. Damit wurde der Mann, der 1978 als Anis Mohamed Ferchichi geboren wurde, zum Millionär. Bushido ist Rapper – und eben kein Schauspieler.

Wenn das Duo Eichinger/Edel dies ernst genommen hätte, dann hätten sie Bushido in der Verfilmung seines Lebens nicht sich selbst spielen lassen dürfen. Somit wird aber hier der Krieger zum Opfer, wie es Bushido ausdrücken würde.

Das größte Problem des Films ist also der Hauptdarsteller, der zudem als Kommentator aus dem Off erzählen muss. Das geht schief und sorgt für unfreiwillige Komik, zumal sich Bushido die Welt vor allem mit den Vokabeln „Respekt“, „Opfer“, „krass“, „Spast“ und „Ehre“ erklärt. Und sobald er auf richtige Schauspieler trifft, zeigt sich seine Talentfreiheit in brutaler Offenheit. Da kann etwa ein Moritz Bleibtreu sich noch so sehr zurücknehmen – er spielt den Rapper trotzdem gnadenlos an die Wand. Bushido muss das bemerkt haben, wirkt er in diesen Szenen noch gehemmter: Offensichtlich bewundert er Bleibtreu, was den Eindruck verstärkt.

Dabei hätte Bushidos Leben durchaus einen spannenden Film abgeben können: Zerrüttete Familie, Migrationshintergrund, Dealer-Karriere, dann der Weg in die Musik, stets umstritten wegen schwulen-, juden- und frauenfeindlicher Texte (was im Film natürlich kaum problematisiert wird) – brachte er es zu zig Preisen und bis zu einem Auftritt vor dem Brandenburger Tor. Aus diesem Konzert zeigt Edel Mitschnitte und man bekommt eine Ahnung, warum Bushido die Jugend begeistert. Eine klassische Doku wäre diesem Phänomen wohl gerechter geworden. Eine Filmbiografie im Stil von Eminems „8 Mile“ hätte jedoch nur mit einem Schauspieler in der Hauptrolle und einem besseren Buch funktioniert: Schwer erträglich ist etwa, wie im Film die Anschläge vom 11. September 2001 zum Erweckungsmoment für den Rapper werden.

(In München: Mathäser, Maxx, Münchner Freiheit.)

„Zeiten ändern Dich“

mit Bushido, Moritz Bleibtreu Regie: Uli Edel

Erträglich ((;;;

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Bushido-Fan sind.

Michael Schleicher

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Oscars 2017: So tickt Moderator Jimmy Kimmel
Los Angeles - US-Comedian Jimmy Kimmel wird heute die Oscars 2017 moderieren. Wir stellen den Gastgeber mit deutschen Wurzeln und eigener Late-Night-Show vor.
Oscars 2017: So tickt Moderator Jimmy Kimmel
Oscars 2017: Die Favoriten und Prognosen
Los Angeles - Heute werden in Los Angeles zum 89. Mal die Oscars verliehen. Hier erfahren Sie alles über die diesjährigen Favoriten, alle Nominierungen und unsere …
Oscars 2017: Die Favoriten und Prognosen
So sehen Sie heute die Oscarverleihung 2017 live im TV und im Live-Stream
Los Angeles - Heute werden in Hollywood wieder die begehrtesten Trophäen der internationalen Filmbranche verliehen: Die Oscars. So verfolgen Sie die Verleihung live im …
So sehen Sie heute die Oscarverleihung 2017 live im TV und im Live-Stream
Diese Länder bekamen die meisten Oscars
Los Angeles - Zum 60. Mal wird diese Woche der Oscar für den besten fremdsprachigen Film verliehen. Eine Auswertung zeigt, wer die erfolgreichsten Länder sind - und wer …
Diese Länder bekamen die meisten Oscars

Kommentare