Fantastische Unterhaltung

Meryl Streep wie sie leibt und lebt

  • schließen

Jonathan Demmes „Ricki“ ist ein großartiges Familiendrama mit herausragenden Dialogen von Diablo Cody und garantiert beste Unterhaltung. 

Es war einmal eine Familie: Vater, Mutter, Kinder. Bis die Mutti eines Tages die Rockerin in sich entdeckt und ausbricht aus ihrer Vorstadtidylle. Der gesicherten Existenz ein Nomadenleben vorzieht. Erst viele Jahre später kommen die Beteiligten wieder zusammen, des gescheiterten Selbstmordversuchs der längst erwachsenen Tochter wegen. Hier setzt das großartige Familiendrama von  Jonathan Demme ein. Aus der Hausfrau Linda Brummel (Meryl Streep) wurde die ständig in Finanznöten lebende Sängerin Ricki Rendazzo. Mit ihrer Band, die gekonnt bekannte Rockhits covert, tritt sie in kleinen Spelunken auf. Vom Rock der Achtziger bis Lady Gaga & Co. spielt sie alles rauf und runter und scheint dabei auf der Bühne noch nach vielen Jahren ihren Spaß zu haben.

Alles wieder da

Die Ex-Familie, Ehemann Pete (Kevin Kline) und drei damals halbwüchsige Kinder, haben sich inzwischen – zumindest vorgeblich – mit dem Status Quo arrangiert. Pete hat eine neue Frau, die den drei Stiefkindern sogar eine hingebungsvolle Mutter ist. Ricki hat seit langem einen liebenswerten Lover, den Bassisten ihrer Band (gespielt von Rockmusiker Rick Springfield). Alles scheint geklärt. Doch sämtliche vernarbten Wunden reißen erneut auf, als Ricki, gestylt wie eine Mischung aus Keith Richards und Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“, das einst traute Heim betritt. Verpasste Chancen, zerplatzte Träume – alles wieder da. Dass Meryl Streep nicht nur großartig spielen, sondern auch beinahe ebenso gut singen kann, weiß man seit dem verfilmten Abba-Musical „Mamma Mia!“.

Mitten aus dem Leben gegriffen

Das Beste an „Ricki – Wie Familie so ist“ sind aber gar nicht die zugegeben mitreißenden Musikeinlagen der Band „Ricki and the Flash“, sondern die Dialoge. Diablo Cody, deren Name für so innovative Familiendrama wie „Juno“ steht, legt mit dem Drehbuch zu „Ricki“ einen weiteren Beweis vor, dass ein modernes Familiendrama bewegend und zu Tränen rührend sein kann – aber noch lange nicht kitschig sein muss. Die Texte dieses schmerzhaften Zusammenraufens einer Patchwork-Familie sind schlagfertig, pointiert und die Situationen wie mit leichter Hand mitten aus dem Leben gegriffen.

„Ricki – Wie Familie so ist“ 

Mit Meryl Streep, Kevin Kline, Mamie Gummer 

Regie: Jonathan Demme 

Laufzeit: 102 Minuten

Der Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Juno“ und „Mamma Mia!“ mochten.

Rubriklistenbild: © Sony Pictures/dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Star Wars: Episode VIII“: So lautet der offizielle Titel
Los Angeles - Der achte, reguläre Teil des Weltraumabenteuers „Star Wars: Episode VIII“ soll im Dezember 2017 anlaufen. Bereits jetzt hat Disney den Titel des Films …
„Star Wars: Episode VIII“: So lautet der offizielle Titel
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos

Kommentare