Kritiker lieben den neuen Bond

- London - Ganz am Anfang tat Daniel Craig, was nicht wenige Briten von harten Männern erwarten. Kaum hatte Barbara Broccoli, die Produzentin der James-Bond-Filme, gesagt "Kindchen, die 007-Rolle ist Deine" mixte er sich einen Wodka-Martini. Filmbericht

Geschüttelt natürlich, nicht gerührt. Dann noch einen. Und noch viele weitere. "Ich war sturzbetrunken", erzählte Craig jetzt Reportern. Wenn er das bloß schon früher mal erwähnt hätte. Vermutlich wäre dem sechsten Bond-Darsteller, den manche Kritiker heute gar als "besten 007 aller Zeiten" loben, eine monatelange "Weichei"-Schmähkampagne erspart geblieben.

Ohne so ein "männliches" Eingeständnis aber war der 38-Jährige abgestempelt, ehe die erste Klappe fiel. "Zu blond für Bond", befanden selbst ernannte 007-Image-Bewahrer und riefen zum Boykott des neuen Bond-Films auf. Ein Typ, der sich öffentlich in einer Schwimmweste zeigt, der einen Aston Martin nur mit Automatikgetriebe fahren möchte, der nicht pokern kann und der keine Waffen mag? So einer, tönte es in Fan-Foren, könne nie und nimmer glaubwürdig im Dienst ihrer Majestät böse Burschen jagen.

"Ich war tief verletzt", sagte Craig Reportern. "Aber das hat mich auch härter gemacht." So entschlossen wie nie zuvor in seiner Karriere habe er sich der Arbeit an dieser Rolle gewidmet. "Ich wollte unbedingt einen Film machen, den die Leute gerne sehen." Das ist ihm nach einhelliger Meinung britischer Filmkritiker gelungen. "Daniel Craig is great", fasste der Filmexperte der BBC sein Urteil zusammen. "Stark und doch einfühlsam", lobte der "Daily Telegraph". Der "Evening Standard" prophezeite gar, Craig werde Sean Connery vom Thron des beliebtesten Bond aller Zeiten verdrängen.

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Dazu schweigt der neue 007 bescheiden. Er hat sämtliche Bond-Filme zwei Mal gesehen. Am besten gefielen ihm "Dr. No" und "Liebesgrüße aus Moskau". Craig macht kein Hehl daraus, dass Connery sein Favorit ist. Den Nestor der Bond-Serie beschrieb Craig so: "Er ist böse, sexy, voller animalischer Energie und zugleich elegant." All das bescheinigen die Kritiker nun auch Craig. Und obendrein, so betonte die "Times", "kann er tatsächlich schauspielern".

Das kommt freilich nicht ganz unerwartet. Immerhin lief Craig schon 2001 in "Lara Croft: Tomb Raider" an der Seite von Angelina Jolie zu Hochform auf. Dann überzeugte er in "Road to Perdition" als kaltherziger Sohn eines von Superstar Paul Newmann gespielten Gangsters. Craig war glänzend neben Gwyneth Paltrow in "Sylvia". Und er sorgte 2003 für Aufsehen als jugendlicher Liebhaber einer älteren Frau in dem Erotik-Drama "Die Mutter".

Für die Bond-Aufgabe empfahl er sich aber vor allem 2004 in der Hauptrolle eines überaus coolen und schlagkräftigen Kokain-Dealers in "Layer Cake" - an der Seite von Sienna Miller übrigens, die wie Kate Moss, Heike Makatsch und so manch anderer Schönheit zu Craigs Geliebten gezählt wurde.

Eine Schwäche für das schöne Geschlecht gehört bekanntlich zur Bond-Rolle wie Big Ben zu London. Aber zum ersten Mal darf mit Daniel Craig in "Casino Royale" ein 007 erheblich mehr als nur geheimdienstliches oder erotisches Interesse an einer Frau zeigen: Der neue Bond verliebt sich unsterblich. Und damit, so hob die "Times" hervor, gehe endlich "die Ära der Bond-Girls als One-Night-Stand" zu Ende. So darf die schöne Eva Green (26) auch im nächsten Bond-Film wieder mitwirken - Daniel Craig natürlich auch.

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