Mächtig abgeräumt: Regisseurin Kathryn Bigelow mit ihren zahlreichen Oscars.

Bei Kritikern top, im Kino flop: Kriegsdrama "The Hurt Locker"

Hollywood - Weibliche Action-Regisseure sind rar, und wenn sie die Qualität einer Kathryn Bigelow haben, dann ist ihnen Aufmerksamkeit sicher.

In keineswegs zimperlichen Filmen wie “Blue Steel“ oder auch “Gefährliche Brandung“ hat sich die 58-jährige Kalifornierin aus San Carlos den Ruf erworben, in einem “männlichen Stil“ zu arbeiten - und mit einer exzellenten Kameraführung. Diese Fähigkeiten stellt Bigelow auch in dem sechsfach Oscar-gekrönten Film “Tödliches Kommando - The Hurt Locker“ eindringlich unter Beweis. In ihrem Werk über eine US-Elite-Einheit im Irak-Krieg lotet sie die Frage aus, warum Männer eine solche Herausforderung annehmen, die viele das Leben kostet und andere traumatisiert. “Krieg ist eine Droge“, so hält der Film fest, in dem die Regisseurin auf die Berichte eines Kriegsreporters zurückgreift, der bei US-Truppen “embedded“, also eingebettet in die kämpfenden Einheiten, tätig war. In der ihr eigenen Dynamik verfolgt Bigelow über zwei Stunden lang den lebensgefährlichen Job der Bombenentschärfer: “Ich wollte dem Krieg ein menschliches Gesicht geben“, sagte sie zur Begründung.

Die Einzelgänger unter den Elitesoldaten gehen dabei das höchste Risiko ein, wühlen selbst in einer mit Sprengstoff vollgepumpten Leiche nach dem Zünder oder kneifen sich nach jeder gelungenen Entschärfung ein kleines Stück des todbringenden Apparates als “Andenken“ ab.

Doch Bigelow zeigt in ihrer hautnahen Meditation über den Krieg, dass auch diese “Helden“ keineswegs seelenlose Maschinen sind - sie haben Gefühle und Zweifel. Und selbst diese abgebrühten Elitesoldaten - ja, sie müssen cool bleiben, wollen sie ihren Job meistern - zählen die Tage, die sie noch mit ihrem immens erhöhten Adrenalinspiegel in der irakischen Hölle im Einsatz sind. Kommt das nächste Bombenteam in Bagdad an, dürfen sie endlich nach Hause.

Der Film “Tödliches Kommando - The Hurt Locker“ mit Jeremy Renner, Anthony Mackie und Brian Geraghty geht, weil so realistisch, unter die Haut - und gewann vor seinen Oscar-Meriten zahlreiche andere Preise: Bigelow bekam als erste Frau die Auszeichnung des US- Regisseurverbandes “Directors Guild of America“, außerdem gewann der Film sechs britische Bafta-Filmpreise. Die Kritiker waren allesamt angetan von so viel Härte und Realismus. Das Publikum verschmähte jedoch die 15-Millionen-Dollar-Produktion, die kaum ihre Herstellungskosten einspielte. In Deutschland lief das Drama nur wenige Wochen in den Kinos.

dpa

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