Kult um Kampfsport und Rapper-Star

- Schon in seiner ersten Regiearbeit "Romeo Must Die", einer originellen Fassung von Shakespeares "Romeo und Julia", die unter chinesischen und afroamerikanischen Banden in Oakland angesiedelt war, bewies der aus Polen stammende Kameramann Andrzej Bartkowiak 2001 besondere Talente: ein Martial-Arts-Film, der alles andere als ödes Gekloppe bot, mit Witz und neugieriger Liebe zwei nicht-weiße Milieus in Kalifornien schilderte und geschickt mit dem Kultstatus seiner Hauptdarsteller zu spielen wusste. Alles dies gilt auch für Bartkowiaks dritten Film "Born 2 Die" (so die unsinnige Eindeutschung des Originaltitels "Craddle 2 the Grave" - 2 muss hier jeweils englisch als two gelesen werden).

Wie damals steht auch hier wieder Jet Li im Zentrum, ein Star des Hongkong-Kinos, der hervorragendes Schauspiel mit coolem Kampfstil und viel Ironie verbindet. Er spielt Su, einen taiwanesischen Polizisten, den es auf der Suche nach gestohlenen schwarzen Diamanten nach Los Angeles verschlägt. Zu Beginn werden sie den Dieben im waghalsigen "Rififi"-Stil selbst von einer liebenswert-ehrenwerten Räuberbande um Tony Fait (Rapper DMX) geklaut.

Doch schnell sind auch diese ihre Beute wieder los. Insgesamt vier Gruppen interessieren sich für die wertvollen Steine, vor allem der schurkische Taiwanese Ling. Als der Tonys Tochter entführt, um Tony zu erpressen (im Glauben, dieser habe noch die Steine), müssen Tony und Su sich zusammentun, die Diamanten wiederfinden und Ling mit seiner kampfstarken Gefährtin Sona (Kelly Hu) ausschalten.

So entfaltet sich ein unglaublich unterhaltsames, rasantes Action-Ballett. "Born 2 Kill" ist wie ein zweistündiger MTV-Clip, atemlos, mit Dialogen voll subversiven Witzes - schöne Menschen tun schöne Dinge. Und das Hirn der Zuschauer massiert der Film mit intelligenten Seitenblicken auf ein dekadentes weißes Amerika und "New World Order"-Hochmut - aus chinesisch-polnisch-schwarzer Perspektive durchaus plausibel. (In München: Marmorhaus, Autokino, Maxx, Museumslichtspiele i.O.)

"Born 2 Die"

mit Jet Li, DMX, Kelly Hu

Regie: Andrzej Bartkowiak

Sehenswert

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Los Angeles - Nach einem Tierquälerei-Skandal sind die Premiere und Pressetermine zu dem Hundefilm „Bailey - Ein Freund fürs Leben“ kurzfristig abgesagt worden.
Vorwurf von Tierquälerei - Film-Premiere abgesagt
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
München - Olivier Assayas „Personal Shopper“ lebt von dem Talent seiner Hauptdarstellerin und driftet nicht in eine Grusel-Persiflage ab.
Filmkritik zu „Personal Shopper“: In der totalen Einsamkeit
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
München - David Frankels Drama „ Verborgene Schönheit“ setzt zu sehr auf Symbolik und ein allzu schöngefärbtes Happy End.
Filmkritik zu „Verborgene Schönheit“: Zu viel Pathos
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“
München - „Manchester by the Sea“ trumpft vor allem im zwischenmenschlichen Bereich auf. Es geht um Verantwortung und Familie.
Der schweigsame Onkel: Filmkritik zu „Manchester by the Sea“

Kommentare