Der Kulturkonflikt auf der Leinwand

München - "Operation: Kingdom", der heute in den Kinos startet, ist nur auf den ersten Blick ein gewöhnlicher Unterhaltungsfilm. Ein FBI-Team wird nach Saudi-Arabien beordert, um dort, geführt von Ronald Fleury (Jamie Foxx), einen Anschlag aufzuklären.

Die Behörden des Königreichs unterstützen sie nur halbherzig, teils sind sie inkompetent, teils stecken sie mit den Terroristen unter einer Decke, sodass die Amerikaner ähnlich allein gestellt sind, wie die von Indianern umzingelten "good guys" in einem anständigen Western.

Auf den ersten Blick ist "Operation: Kingdom" ein gewöhnlicher Post-9/11-Unterhaltungsfilm aus Hollywood: Es beginnt in einem fremden Land mit einem Attentat "böser" Einheimischer gegen "gute" Amerikaner. Letztere wollen die Täter fangen, sich rächen - irgendwie etwas von alldem. Das gelingt mit Hilfe eines heldenhaften Teams, das im Gegensatz zur anderen Seite von Kinostars gespielt wird. Wer alte Filme kennt, weiß: Auch Hollywood war schon mal differenzierter.

Doch die platte Oberfläche ist nur das eine. Zugleich ist "Operation: Kingdom" ein nicht nur effizient, sondern fast perfekt gedrehter Film, geprägt von einer körperlichen, rasanten Kamera, die zu atmen scheint und eine zwingende Intensität erzeugt.

Neben den stilvollen, schönen Bildern ist der Film des eher unbekannten Peter Berg auch inhaltlich ungewöhnlich: In der Figur des dem Team beigestellten Saudi-Colonel Al Ghazi wird der Kulturkonflikt manifest. Vor allem setzt er nicht auf Hollywood-typische Versöhnung, sondern zeigt die Amerikaner als oft arrogant, selbstgerecht und in der Praxis überfordert. Auch werden Zweifeln laut, die den Westen plagen: Stehen wir auf der richtigen Seite? Wird sich die demokratische Moderne durchsetzen?

"Operation Kingdom" ist einer der wenigen US-Filme, die am "american way of life" offen zweifeln und eingestehen, dass der Westen im Nahen Osten längst gescheitert ist. Nur am Ende verwandelt er sich in die revisionistische Fantasie einer gewalttätigen Lösung aller Probleme. (In München: Mathäser, Maxx, Autokino, Cinema OV.)

"Operation: Kingdom"

mit Jamie Foxx, Jennifer Garner

Regie: Peter Berg

Hervorragend

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