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Lisa Fitz (li.) und Johanna Bittenbinder sind unter den Förderern des neuen Film-Festivals

Kulturschaffende stellen das Festival Biennale Bavaria vor

Wir brauchen mehr Heimatfilme

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Das Festival Biennale Bavaria soll den Heimatfilm eine neue Bühne bieten. Dafür machen sich  prominente Fürsprecher stark wie Otti Fischer, Lisa Fitz und Johanna Bittenbinder.

München - Wer liebt sie nicht, diese Schmankerl bayerischer Filmkunst: Denken Sie an die Szene in Rosenmüllers Wer früher stirbt, ist länger tot, als die Stammtischler um die besten Plätze im Wirtshaus streiten. Herrlich! Oder an Bogners Irgendwie und sowieso, wenn Sir Quickly alias Otti Fischer im Stall die Stereoanlage voll aufdreht, um dann wippend seine Kühe zu melken. Bayerisches Lebensgefühl pur. Genau davon brauchen wir mehr, ist sich eine Gemeinschaft aus Künstlern und Kunstkennern einig. Ihr Plan: Sie stellen ein Heimatfilm-Festival auf die Beine – 2019 soll es losgehen.

Biennale Bavaria International soll der offizielle Name des Filmtreffs lauten. „Bayern ist ja das Mutterland der Heimat. Daher brauchen wir genau so ein Fest“, erklärt Kabarettist Otti Fischer (64). Der Neu-Passauer ist einer der vielen Künstler – wie auch Lisa Fitz oder Schauspielerin Johanna Bittenbinder –, die das Projekt unterstützen. Statt einer kitschig-heilen Welt thematisieren Produktionen des Neuen Heimatfilms seit Ende der 80er auf humorvolle, kritische und zeitgenössische Art und Weise das spannungsreiche Leben zwischen Land und Stadt. Fischer: „Und genau davon brauchen wir mehr.“ Die Biennale soll dies ermöglichen.

Neue Bühne für den Heimatfilm: Die Kulturschaffenden auf einer Pressekonferenz.

Wo sie stattfindet? Gleich in sieben Städten gleichzeitig: Wasserburg, Trostberg, Haag, Mühldorf, Traunstein, Burghausen und Altötting. Dort sollen dann täglich Filme gezeigt werden, die alle mit dem Thema Heimat zu tun haben – die besten werden natürlich ausgezeichnet. „Im Oktober 2019 geht es los“, verspricht Mitorganisator Peter Syr. Man darf gespannt sein…

Das meinen die Mitförderer

Kabarettistin Lisa Fitz (66): „Was ist Heimat? Für mich ist besonders Sprache auch Heimat. Wenn man sich versteht. Ich komme ja aus einer riesigen Familie, und wir sind damals alle in Krailling bei München aufgewachsen“, sagt Lisa Fitz der tz. „Das war Zusammenhalt. Ein Heimatfilm-Festival ist doch eine super Sache – da war ich gleich dabei. Es geht ja darum, Beiträge zu zeigen, die sich auch mit Problemen aus der Region beschäftigen. Wir müssen das Ziel haben, auch Diskussionen anzuregen. Wenn Menschen nach den Filmen miteinander sprechen, geht was weiter. Dabei soll aber nicht das Lebensgefühl von uns Bayern verloren gehen. Das ist eine echte Herzensangelegenheit für mich.“

Schauspielerin Johanna Bittenbinder (60): „Ich finde die Idee einer Biennale Bavaria einfach großartig“, schwärmt Johanna Bittenbinder. „Es ist eine wunderbare Möglichkeit, neugierig zu sein und neugierig zu machen. Was passiert in anderen Regionen Bayerns? In der Welt? Was in meiner? Heimat darf ja kein Begriff sein, wo Leute behaupten, er gehöre ihnen. Es geht eben um dieses Lebensgefühl von uns allen. Genau dieses muss ein guter Film transportieren.“ Wichtig ist der Künstlerin Authentizität. „Es darf auch Probleme geben. Und ich finde es sehr gut, dass dieses Festival auch internationale Filme präsentieren wird. Ich würde mich auch für einen Heimatfilm aus dem Senegal interessieren, der gut gemacht ist.“ 

Kult: Eine Szene aus „Wer früher stirbt, ist länger tot“.

Einige große Vorbilder

Was macht einen großen Heimatfilm aus? Auch das verdeutlichten die Kulturschaffenden gestern auf einer Pressekonferenz. So sei Wer früher stirbt, ist länger tot (Foto rechts, 2006) ein Meisterwerk dieses Genres. Aber auch Filme wie Brokeback Mountain (2006) zählen zu den Vorbildern. Der Western spielt in Wyoming, thematisiert die Homosexualität zweier Cowboys. Auch den mehrfachen Oscargewinner Slumdog Millionär (2009) zitierten die Biennale-Macher als Beispiel für einen „echten Heimatfilm“, der die Probleme und die Armut in Indien präzise beschreibt. 

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