Kusturicas lustiger Bosnier

- Man könnte sich natürlich fragen, ob man aus Krieg eine Burleske machen und die Wirklichkeit völlig ausblenden darf, wenn man sich auf sie beruft. Aber Emir Kusturica interessiert sich für solche Fragen nicht. In "Das Leben ist ein Wunder" zeigt er den bosnischen Bruderkrieg als albernes Kasperletheater und die Umstände, die dazu führen als surreale Nebensächlichkeiten. Das könnte man dem Bosnier Kusturica durchaus übel nehmen. Aber Kusturica meint es gut, und das ist womöglich das Schlimmste an der Sache.

<P>Der bosnische Serbe Luka (Slavko Stimac, der schon in Kusturicas erstem Film vor 25 Jahren mitspielte) ignoriert die Vorzeichen des aufziehenden Unheils hartnäckig und versteht nicht so recht, dass plötzlich von verschiedenen Völkern die Rede ist, die um dasselbe Land kämpfen. Schließlich sehen alle gleich aus und sprechen dieselbe Sprache. Als Lukas Sohn in Gefangenschaft gerät, haben Lukas Freunde die grandiose Idee, eine Muslimin zu entführen und einen Austausch von Kriegsgefangenen zu inszenieren. Aber es kommt anders: Die muslimische Geisel Sabaha (Natasa Solak mit viel Charisma) und der unbeholfene Geiselnehmer Luka verlieben sich zum Entsetzen aller. Die Liebe freilich besiegt alles, selbst die Dummheit auf dem Balkan, und das ist der Punkt, an dem der Film abstürzt.<BR><BR>Kusturica spielt mit seiner angeblich so wundersamen Romanze letztlich den Nationalisten in die Hände: gemischt-konfessionelle Ehen waren eben keine exotische Ausnahme, sondern Alltag. Und er verharmlost Kriegsgräuel als Auswuchs südslawischer Bierlaunen. Den lustigen Bosnier gibt es also ab sofort nicht nur im Restaurant, sondern auch auf der Leinwand. Das ist der Balkan, wie ihn der Westen sehen will. "Das Leben ist ein Wunder" wurde als bester europäischer Film mit dem "Cesar" bedacht. </P><P>(In München: Filmcasino, Museum i. O.)<BR>>> alle Filme, alle Kinos auf einen Blick bei munich online 

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