Im Land, wo die Geier warten

- Zwei Schritte, der dritte ist falsch, und dann dauert es nur noch Sekunden, bis der ausgewachsene Mann, der hier eben noch stand, vom Erdboden verschwunden ist. Treibsand ist schuld. Man stirbt schnell in "Kekexili", jener menschenleeren, wüsten Landschaft in China, nach der dieser Film benannt ist. Eisig ist der Wind, dünn die Luft, und so hart wie das Leben ist auch der Boden, der so fest gefroren ist, dass man hier noch nicht einmal die Toten begraben kann. Wenn sie nicht der Treibsand holt, dann werden sie den Geiern überlassen. Menschen in übermächtiger Natur.

Die einen jagen Bergantilopen, die anderen im Auftrag des Staates diese Wilderer, denn die Tiere sind vom Aussterben bedroht. Dieser Patrouille, die mit ein paar Autos tagelang durch eine einsame, ebene Landschaft in 4000 Meter Höhe fährt, folgt der Film, beobachtet ihren Alltag, ihre Jagd, den Umgang mit Tieren, mit der Natur, mit sich selbst. Konzentriert und ungemein spannend ist dies in ihrer Einfachheit - eine epische, archetypische Geschichte, in lakonischen Western-Bildern à` la John Ford erzählt, die schnell auch politische Relevanz erhält, indem sie diese unbekannte Bergregion Tibets fürs Kino erobert und den Blick auf die armen anarchischen Zustände in Chinas Südwesten lenkt. Was beides nicht wirklich gewünscht ist von der Pekinger Regierung, die das Projekt weder von einem staatlichen Studio herstellen, noch von der Zensur freigeben ließ. So drehte der 34-jährige Regisseur Lu Chuan unter einfachsten Bedingungen: Am Ende gelang "Kekexili" ein Überraschungserfolg an den einheimischen Kassen.

Erzählt wird aus der Perspektive eines Journalisten. Als Außenseiter teilt er unseren befremdeten Blick. Wir sehen kompromisslose Menschen in einem rechtsfreien Raum - ein realistisches, zugleich mythisches Werk abseits all dessen, woran wir uns aus diesem Filmland gewöhnt haben.

(In München: Arena.)

"Kekexili"

Regie: Lu Chuan

Hervorragend

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