Im Land der Zauberwesen

München - Gut zweieinhalb Jahre ist es her, dass der erste Teil der Narnia-Saga, "Der König von Narnia", in die Kinos kam. Das aufwändige Fantasy-Epos nach den populären Jugendbüchern von C. S. Lewis spülte weltweit über 700 Millionen Dollar in die Taschen des Disney-Konzerns. Wie gut, dass Lewis sein Werk in sieben Teilen konzipierte, von denen noch fünf der Verfilmung harren.

Jetzt kehren in der ersten Fortsetzung die vier Geschwister Peter, Lucy, Susan und Edmund Pevensie in die geheimnisvolle Märchenwelt von Narnia zurück.

Doch während für sie selbst nur eine kurze Zeit zwischen der Gegenwart und ihrer letzten Reise nach Narnia liegt, sind im Land der Zauberwesen und Eishexen mittlerweile 1300 Jahre vergangen. Genug Zeit, in der die finsteren Telmarer in Narnia einmarschieren konnten und das malerische Fleckchen voller Fabelwesen in einen Ort der Düsternis verwandelten. Doch die Pevensies werden's auch diesmal richten.

Der offiziell geächtete Kronprinz Kaspian von Narnia (Ben Barnes) soll den ihm zustehenden Thron wieder erlangen. Die fantastischen Kreaturen von Narnia müssen vom Joch der Unterdrückung befreit und letztlich das ganze Land vor der Vernichtung durch die Telmarer bewahrt werden. Ach ja, und der seit 1300 Jahren verschollene weise Löwe Alsan soll aufgestöbert werden. Von der Aufgabenfülle überfordert, greift Kaspian zum magischen Horn und ruft die vier Könige herbei.

Wie die Fortsetzungen von "Herr der Ringe" oder "Harry Potter" wirkt auch "Prinz Kaspian von Narnia" um einiges düsterer, morbider und brutaler als die Auftaktgeschichte. Statt verschmitzter Faune, kecker Zwerge oder sanft lächelnder Schneeköniginnen erwarten den Zuschauer jetzt bis unter die Zähne bewaffnete Telmarer. Die erinnern entfernt an Südeuropäer, jedoch ohne jede charmante Leichtigkeit, sondern mit durchweg übellaunigem Gesicht. Es wird intrigiert, gemordet und gemeuchelt. Der ehrenwerte christliche Ansatz von C. S. Lewis gerät bei den vielen "Herr der Ringe"-entlehnten Gemetzeln ins Hintertreffen.

Aber derlei eindimensionales Tun trägt nicht zur Charakterbildung bei. Die Figuren, Bösewichter wie Helden, sind flacher gezeichnet als im ersten Film, was nicht nur bei den vier Pevensies enttäuscht. Spannung konnte Andrew Adamson nur durch hohes Tempo erzeugen, besonders im hitzigen Schlachtengetümmel. Aber selbst da gehen durch langatmige Kampfszenen lederbewamster Kohorten gerade für jüngere Zuschauer witzige Einfälle wie die freche kleine Schwertkampfmaus und andere sprechende Tiere leider unter. (In München: Mathäser OV, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Cadillac, Cinema OV, Autokino, Forum Kinos.)

"Prinz Kaspian von Narnia"

mit Ben Barnes, William Moseley Regie: Andrew Adamson Annehmbar ***

Ausstattungsschlacht

Dass die fantastische Welt von C. S. Lewis auf so beeindruckende Weise auf der Leinwand erstehen konnte, ist nicht nur Autor, Regie, Kameramännern oder Beleuchtern und Schauspielern nebst unzähligen Statisten zu verdanken, sondern ist auch ein Verdienst der Kostümbildner und Requisiteure.

Allein für die Hauptdarsteller fertigten sie 1042 Kleidungsstücke an, 3722 Accessoires wie Helme, Masken, Stiefel und Handschuhe. Sie stellten 200 Lanzen, 200 Degen, 100 Schwerter, 250 Schilde sowie 55 Armbrüste her. Schon der erste Teil der "Chroniken von Narnia", "Der König von Narnia", erhielt einen Oscar in der Kategorie "Bestes Make-Up" sowie Nominierungen für "Beste Visuelle Effekte" und "Bester Ton". "Prinz Kaspian" dürfte Ähnliches bevorstehen...

ulf

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