Lasst uns über Inhalt reden

- Glanz, Glamour und Stars auf dem roten Teppich - das ist nur die eine Seite des Europäischen Filmpreises. Rund um die Preisgala am Samstag lud die Europäische Filmakademie im Berliner Tacheles auch zu einer Konferenz. "Let's talk about content!/ Lasst uns über Inhalt reden!" - unter diesem etwas zu allgemein gewählten Motto diskutierten bekannte Filmemacher über die Frage, wie man Geschichten im Kino gut erzählt. Denn gerade für seine vergleichsweise dichten, anspruchsvollen und originellen Erzählungen wird das europäische Kino in der ganzen Welt geschätzt, sie machen seine viel gesuchte Identität aus.

<P>"Manchmal muss man einen Text kaputt machen, um als Regisseur seine eigene Erzählform zu finden", brach Patrice Ché´reau gleich zum Auftakt eine Lanze für schöpferische Zerstörung: "Man kann kein Buch einfach adaptieren. Die Regeln beider Kunstformen sind zu verschieden." Ché´reau war eine gute Wahl, schließlich hat der Franzose Werke so unterschiedlicher Autoren wie Alexandre Dumas und Hanif Kureishi verfilmt. "Ich beneide Bergman und Truffaut", gestand er, "denn sie schrieben ihre eigenen Geschichten. Das kann ich nicht."</P><P>"Die Sprache eines Films sind die Bilder."<BR>Patrice Chéreau</P><P>"Inhalt", da war man sich schnell einig, heißt im Kino nicht das Gleiche wie "Drehbuch". Es ist vielmehr die künstlerische Vision, die die Ideen zu einem Ganzen verbindet. Nur Regisseur Andreas Dresen sah das offenbar anders. Ausgerechnet er, der in "Halbe Treppe" völlig ohne festes Script ausgekommen war, plädierte dafür, den Drehbuchautor "im Vorspann gleichberechtigt mit dem Regisseur zu nennen".</P><P>Da widersprach nicht nur Ché´reau, sondern auch Vibeke Windelov, Produzentin der Filme Lars von Triers: "Ein gutes Script, und ein schlechter Regisseur ergeben einen schlechten Film. Umgekehrt kann es immer noch ein Meisterwerk werden."</P><P>Die Sprache eines Films, ergänzte Ché´reau, "sind die Bilder", die Bewegung der Kamera und der Rhythmus des Schnitts. Dass es kein Patentrezept gibt, keine klare Regel, mit der man vom Drehbuch auf die Qualität eines Films schließen kann, hätte man sich vielleicht schon vorher denken können. Überraschend war aber die Skepsis vieler Podiumsteilnehmer gegenüber Regisseuren, die ohne Hilfe durch Dritte ihre eigenen Drehbücher schreiben. Trotz seiner Erinnerung an die Aufbruchszeit des europäischen Kinos meinte auch Ché´reau: "Es ist ein Problem, dass zu viele Regisseure glauben, sie könnten alles selbst tun."</P><P>In den USA, auch darüber herrschte schnell Einigkeit, tun sich allerdings umgekehrt auch bekannte Autoren leichter damit, für den Film zu arbeiten als hierzulande. "Wo kommen also gute Kinogeschichten her", fragte man zum Abschluss in die Runde: "Aus dem Unglücklichsein", meinte die Spanierin Isabelle Croixet. Und Ché´reau antwortete: "Daraus, dass ich Fehler mache, und etwas lerne." Noch eine Form von schöpferischer Zerstörung.</P>

Auch interessant

Kommentare