Lebensgefahr! Heute nicht an Isar aufhalten - selbst wenn es nicht regnet

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Leben als Überlebenskampf

- Je älter er wird, desto schärfer blickt Clint Eastwood auf die Schattenseiten Amerikas. Zuletzt in "Mystic River", einem elegischen Schuld-und-Sühne-Drama, das 2004 mehrfach Oscar-nominiert war, die entscheidenden Preise aber verpasste. Zu unbequem war Eastwoods schonungsloses Bild vom barbarischen Fundament des American Way of Life.

<P class=MsoNormal>Ein Jahr später kehrte Eastwood, der Schauspieler, der sich längst zu einem der wichtigsten US-Regisseure gemausert hat, zur Oscar-Verleihung zurück und triumphierte über seinen großen künstlerischen Mitstreiter und Antipoden Martin Scorsese: "Million Dollar Baby" war als kleines Zwischenwerk gedacht und wurde zu Eastwoods größtem Preis- und Kritikererfolg seit "Erbarmungslos" (1993).</P><P class=MsoNormal>"Million Dollar Baby" sei ein Boxerfilm, heißt es. Gewiss: Im Mittelpunkt steht ein junges Mädchen (Hilary Swank), das unbedingt und gegen jede Wahrscheinlichkeit Profi-Boxerin werden will; steht ein alter Trainer (Eastwood), der, innerlich schon gebrochen, durch diese Schülerin noch einmal das alte Feuer spürt. Und der darüber auch das unausgesprochen gestörte Verhältnis zu seinem besten Freund klären kann, der in seiner Boxschule nicht nur arbeitet, sondern lebt.</P><P class=MsoNormal>Klassische Hollywood-Dramaturgie also, Männer-Freundschaft und Vater-Tochter-Wahlverwandtschaften, eine Dosis Kitsch und die Konventionen des Boxerfilms, am Ende schließlich - nach viel Blut, Schweiß und Tränen - ein Erfolg. Stimmt alles. Doch was "Million Dollar Baby" von den meisten anderen Hollywood-Filmen unterscheidet, ist, dass er unter der Mainstream-Oberfläche zwei Geschichten erzählt - und das auf äußert ungewöhnliche Weise. Die Hauptfigur Maggie Fitzgerald stammt aus denkbar miserablem White-Trash-Milieu. Dies wird hier weder verklärt, noch in seinen unangenehmen Seiten ausgestellt. Eastwood gönnt seinen Figuren bemerkenswert wenig Selbstmitleid. Und uns damit keine seelischen Erleichterungen. Er zeigt die Brutalität und Härte des Boxsports, er zeigt das Leben als Überlebenskampf, der am Ende zwangsläufig schlecht ausgeht. Im letzten Drittel wandelt sich der Boxerfilm zum Sterbehilfedrama. Der Film ergreift dabei klar Partei: nicht für Sterbehilfe, sondern für das Recht, in existenziellen Fragen selbst zu entscheiden - für die Freiheit, weil sich erst in ihr der Reichtum des Lebens zeigt.</P><P class=MsoNormal>Für Eastwoods Stil gibt es nur ein Wort: Reife. Es ist bewundernswürdig, wie leicht er seine schwierige Geschichte erzählt. Ein jazziger Grundton beherrscht den Film, der weder kühl abgeklärt noch unangemessen locker ist, sondern: olympisch heiter. "Million Dollar Baby" ist ein "kleiner" Film: intim, ruhig, ohne künstlerische Wagnisse, ohne den geschichtsphilosophischen Anspruch von Scorseses "Aviator", dem er in der Oscar-Nacht die wichtigsten Preise wegschnappte. Dies vermutlich, weil ihm die letzte Härte fehlt, weil er in Versöhnung mündet und man das Kino nicht mit offenen Fragen, sondern vor allem ergriffen verlässt.</P><P class=MsoNormal>Es ist nicht ausschließlich eine Befreiung des Kinos von Überflüssigem, wenn Eastwood sich ganz minimalistisch und in altmodischem Look auf seine Story konzentriert und alles andere, was das Kino kann, ignoriert. Aber innerhalb seiner engen Grenzen ist "Million Dollar Baby" sehr gut gelungen. (In München: Mathäser, Leopold, SEndlinger Tor, Gabriel, City u. Cinema i. O.)</P><P class=MsoNormal>"Million Dollar Baby"<BR>mit Hilary Swank, Morgan Freeman, Clint Eastwood<BR>Regie: Clint Eastwood<BR>Sehenswert</P>

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