Leere der Herzen

- Einer geht weg, einfach so, und taucht nie wieder auf. Seine Freunde leben weiter, verändern sich, die Ex-Freundin heiratet irgendwann einen anderen, ohne ihre eine große Liebe wirklich zu vergessen. Eines Tages kommt der Verschwundene einfach so durch die Tür, als wäre nichts gewesen. Das ist die Ausgangssituation von "3° kälter", dem Regie-Debüt des als Kameramann bekannten Florian Hoffmeister.

Solche Geschichten von Rückkehrern, die dann das Leben der anderen durcheinanderbringen, kennt man eigentlich aus dem US-Kino, aber hier liegen die Dinge anders: Der Rückkehrer ist, ohne dass er je denunziert wird, keineswegs ein Held. Es geht um die Dagebliebenen. Darum ist "3° kälter" nicht zuletzt ein Ensemble-Film, und zwar ein gut austarierter, auch in den Nebenrollen stark besetzter. Meret Becker, Alexander Beyer, Johann von Bülow und die zu lange unterschätzte Katharina Schüttler sind zu sehen. Das Zentrum aber bildet Marie, die Verlassene. Bibiana Beglau spielt sie in einer konzentrierten, ganz eigenen Mischung aus Beklemmung und Sehnsucht, mit deren Facettenreichtum Sebastian Blomberg als ihr männliches Pendant nicht ganz mithalten kann.

"3° kälter" ist ein Beispiel jener neuen Ernsthaftigkeit im deutschen Kino, seines Herantastens an existenzielle Themen. Denn der Film, das ist seine Stärke und sein Problem zugleich, beschäftigt sich mit dem ganzen Leben und damit, es nicht nur einfach zu leben, sondern ihm einen Sinn zu geben. Verquasselt ist Hoffmeisters Film nie, aber manchmal liegt etwas zu viel Bedeutung in den Gesten, zu viel und dabei zu unklare Symbolik.

Etwa Landschaft und Architektur: Warum das Nürnberger Reichsparteitagsgelände ein ums andere Mal ins Bild gerückt wird, bleibt bis zum Ende unverständlich, es sei denn, der private Schuld- und Sühne-Komplex wäre auch sozialpsychologisch gemeint. Geglückt ist dafür, wie Leere und Kälte des Lebens der Dagebliebenen ihre Entsprechung haben in der Leere zwischen den öde anmutenden Gebäuden einer alt gewordenen 70er-Jahre-Moderne und dem Grau des Herbstregenwetters. Glücklicherweise wird nie psychologisiert, bleiben Fragen offen. Diese Reise in die innere Vergangenheit lebt vor allem von ihren Bildern - selten im deutschen Kino.

(In München: Rottmann.)

"3° kälter" mit Bibiana Beglau, Sebastian Blomberg, Meret Becker

Regie: Florian Hoffmeister

Sehenswert

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