Leinwand mit Löchern

- Der Brite Phil Collins (53) begann seine Karriere im Showgeschäft mit 13 Jahren als Statist in dem Beatles-Film "A hard Day's Night". In den 70ern wurde er als Schlagzeuger der Gruppe "Genesis" bekannt und übernahm später auch den Gesangspart. Seit gut zwanzig Jahren ist er auch als Solo-Künstler außerordentlich erfolgreich. Für den Zeichentrickfilm "Bärenbrüder", der am Donnerstag startet, hat Phil Collins die Lieder komponiert und in fünf verschiedenen Sprachen gesungen.

<P>Als Sie für den Zeichentrickfilm "Tarzan" erstmals Deutsch gesungen haben, empfanden Sie das damals als echten Horror. Wie war es dieses Mal?<BR><BR>Collins: Bitte sagen Sie mir, dass ich es nie "Horror" genannt habe. Mir gefiele, wenn ich einfach nur "schwierig" gesagt hätte.<BR><BR>War es diesmal also auch so "schwierig"?<BR><BR>Collins: Ach, eigentlich macht es viel Spaß, in anderen Sprachen zu singen. Als Engländer neigt man dazu, andere Kulturen zu ignorieren, da jeder überall Englisch spricht. Aber seit ich in der Schweiz lebe, verstehe ich, dass es für die Fans reizvoll ist, mich in ihrer Sprache singen zu hören. Übrigens sagen alle, dass mein Deutsch viel besser sei als bei "Tarzan".<BR><BR>Wenn Sie Lieder für einen Zeichentrickfilm komponieren, gibt es ihn noch gar nicht. Wie arbeitet man unter diesen Umständen?<BR><BR>Collins: Ich bekomme die Handlung und ein paar Zeichnungen der Charaktere. Aber es ändert sich ständig alles. Man schreibt eine Menge und spielt es den Regisseuren vor. Wenn ich nicht bereit bin, mit dem Team zu arbeiten, und beleidigt bin, weil ein Lied in der Geschichte einfach nicht funktioniert und rausfällt, darf ich den Job auf keinen Fall machen. Sie sagen es einem direkt: "Das ist nicht gut genug, kannst Du es bitte noch einmal versuchen?" Damit muss man als Künstler erst einmal fertig werden.<BR><BR>Hat diese Erfahrung Ihre Arbeitsweise verändert?<BR><BR>Collins: Man wird offener. Ich schreibe gerade an einer Musical-Version von "Tarzan" für den Broadway. Das hätte ich mir nie träumen lassen. Ich war ein typischer "Songwriter", der sich nur für Popmusik interessiert hat. Oper war nicht wichtig, Filmmusik auch nicht und Musicals sowieso nicht. Aber die Haltung ist falsch. Ich weiß jetzt, dass man unglaublich viel dazulernen muss, um ein Musical oder Filmmusik zu schreiben, und ich hoffe, dass ich mich als Komponist entwickle. Es ist ein gutes Gefühl, noch was zu lernen. Popstars in meinem Alter bleibt oft nichts anderes übrig, als sich zur Ruhe zu setzen.<BR><BR>Oder sie machen Musical-Revues mit ihren alten Hits wie "Queen" oder "Abba".<BR><BR>Collins: Ja. Aber das hat mich nie vom Hocker gerissen. Die Idee, Songs für ein Musical aufzumotzen, gefällt mir nicht. Ich schreibe lieber etwas Neues. Wer will schon die "Phil-Collins-Story" als Musical achtmal die Woche sehen?<BR><BR>Ein anderes Problem reiferer Rockstars ist das Gehör. Sie haben angeblich auch Probleme damit.<BR><BR>Collins: Es sind etwa 40 Prozent, die ich weniger höre als früher. Aber das betrifft nicht das Volumen, sondern die Frequenzen, die ich mitunter nicht richtig unterscheiden kann. Es ist wie eine Leinwand, die an verschiedenen Stellen von Motten zerfressen ist. Aber mein Gehirn hat sich darauf eingestellt, und es geht ganz gut.<BR><BR>"Bärenbrüder" ist wohl einer der letzten Animationsfilme, die noch von Hand gezeichnet worden sind. Wie finden Sie den Trend zur Digitalisierung, der ja auch in der Musik um sich greift?<BR><BR>Collins: Neue Techniken setzen sich durch, das ist so. Ich habe als Schlagzeuger angefangen, heute erledigt das alles der Drum-Computer. Ich benutze ihn selber, und manche Lieder kann ich mir ohne einen Drum-Computer gar nicht mehr vorstellen. Trotzdem spiele ich immer noch selber Schlagzeug. Ich denke, es kann sich sehr gut ergänzen. Ich glaube, das Leben ist ein Kreislauf, und der klassische Zeichentrickfilm erlebt eine Renaissance. Irgendwann sagt ein Produzent: Ich habe eine super Idee. Wieso machen wir Filme im Computer, wenn man sie auch von Hand zeichnen kann?</P><P> Das Gespräch führte Zoran Gojic</P>

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