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Leise Töne

- Mathilde (Louisa Pili) ist das Zentrum dieser Geschichte um die Suche nach einer verlorenen, ungelebten Vergangenheit, die diesen Film beherrscht und in der immer auch ein bisschen die utopische Vorstellung steckt, es könnte ein richtiges Leben geben, ohne Fehler, ohne Irrtümer, ohne Dinge, die man bereut - als ob diese nicht ein wichtiger Teil des Lebens wären. In Jarmuschs "Broken Flowers" und Wenders' "Don't Come Knocking" erlebte man bereits ältere Männer, die sich ihre Irrtümer eingestehen und auch korrigieren mussten.

Der französische Film "Der Hals der Giraffe" erzählt uneitler.

Mathildes Opa ist ein normaler, nicht übermäßig wehleidiger Mensch, der einen Fehler gemacht hat. Einst ließ ihn seine Frau mit Tochter Hélène (Sandrine Bonnaire) zurück. Ihr Kind, Mathilde, entdeckt bei Großvater Paul (Claude Rich) einen Stapel ungeöffneter Briefe und begreift, dass es sich um die Post von Großmutter handelt, mit der sie wieder in Kontakt zu ihrer Familie treten wollte. Der tief gekränkte Großvater hatte alles versteckt, und Hélène verheimlichte, dass die Mutter noch lebt. Beharrlich arbeitet die kleine Mathilde daran, die Großmutter zu finden. Sie entführt den Opa aus dem Altersheim und zwingt ihn zur Wahrheit.

Der Film von Safy Nebbou erzählt dies aus der Kinderperspektive, ohne ein Kinderfilm zu sein. Die Wendungen sind melodramatisch, aber dezent. Dazu trägt das intensive Spiel der drei Hauptdarsteller sehr viel bei. Denn über die "Botschaft", dass Enthüllung in jedem Fall der bessere Weg ist als das Vergessen, dass das Aussprechen unangenehmer Wahrheiten unbedingt heilsam ist und Schweigen unbedingt zerstörerisch, kann man streiten. Nicht für alles gibt es perfekte Lösungen. Und nicht nur im Kino wurde durch "die" Wahrheit auch schon manch familiärer Waffenstillstand zerstört. "Der Hals der Giraffe" ist ein gut gemachter Film der Emotionen und der leisen Töne, die oft durch einen einzigen Blick vermittelt werden. Ein Kino des Hinsehens, nicht primär des Hinhörens. Und am Ende bleiben nicht wie bei Wenders und Jarmusch einsame, alte, wehleidige Männer zurück: Es muss sich eine Familie zusammenraufen - ohne übertriebenen Versöhnungskitsch. (In München: Isabella, ABC, Atlantis.)

"Der Hals der Giraffe"

mit Louisa Pili, Sandrine Bonnaire, Claude Rich

Regie: Safy Nebbou

Hervorragend *****

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