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Ali Mosaffa als Ahmad (l-r), Tahar Rahim als Samir und Berenice Bejo als Marie in einer Szene des Kinofilms "Le Passe - Das Vergangene".

Die Zwiebel schälen

"Le Passe": Ein Meisterwerk des Feingefühls

München - Wie beim Zwiebelschälen: Je länger in der Vergangenheit gegraben wird, umso mehr treibt Asghar Farhadis „Le passé“ seinen Zuschauern die Tränen in die Augen.

Gerade einmal drei Jahre ist es her, dass der Iraner Asghar Farhadi mit seinem hypnotischen Gesellschaftsdrama „Nader und Simin – Eine Trennung“ auf sich aufmerksam machte. So gewann er 2011 zahlreiche Ehrungen, darunter den Goldenen Bären der Berlinale; die Silbernen Bären für die besten Darsteller kassierte er ebenfalls. Auch der Oscar als bester fremdsprachiger Film war absolut gerechtfertigt. Es war der erste Oscar überhaupt für eine iranische Produktion.

Im Mittelpunkt seiner aktuellen, ähnlich verheißungsvollen und sensibel gefertigten Arbeit „Le passé – Das Vergangene“ steht erneut ein getrennt lebendes Paar. Die Kamera als unbewegter, ständiger Beobachter auf Augenhöhe erinnert ebenfalls an „Nader und Simin“. Und auch diesmal begeistern besonders die Details in Spiel und Ausstattung. Ahmad (Ali Mousaffa) und Marie-Anne (Bérénice Bejo) haben sich allerdings schon vor längerer Zeit entzweit. Um die Scheidung offiziell zu vollziehen, kehrt Ahmad zurück nach Paris, in das Haus, in dem er mit Marie-Anne und den Kindern wohnte und in dem sie nun mit Samir (Tahar Ramin) und dessen kleinem Sohn lebt. Das birgt Sprengstoff. Vor allem Marie-Annes Tochter, die 16-jährige Lucie, kommt mit der Situation nicht klar. Ahmad soll vermitteln, doch nicht nur dieser Einfall schlägt fehl. Wie beim Zwiebelschälen befördert „Le passé“ eine schmerzhafte Wahrheit nach der anderen ans Licht. Je länger geschält und in der Vergangenheit gegraben wird, umso mehr treibt einem dieser kluge und großartig gespielte Film über Beziehungen mit und ohne Zukunft die Tränen in die Augen.

von Ulrike Frick

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