Die Liebe als Gesetz

- Da hat Oma Rosa Rashevski ihrer Familie etwas eingebrockt: Ein Leben lang hat sie sich religiöser Tradition verweigert. Und nun, nach ihrem Tod, stellt sich heraus, dass sie auf einem jüdischen Friedhof beigesetzt werden will. Dazu benötigt man einen Rabbi, aber die Rashevskis kennen keinen.

<P>Sie sind im Grunde Franzosen, die jüdische Vorfahren aus Polen haben. So einfach ist das - und so kompliziert. Denn es ist völlig egal, wie sie sich selber sehen, für die anderen bleiben sie Juden.</P><P>Die Beerdigung der Großmutter macht das den Rashevskis bewusst, und jeder reagiert darauf auf seine Weise, was mitunter tragikomische Züge bekommt. Denn auch für die jüdische Gemeinde sind sie Außenseiter, nachdem Rosas Sohn eine Nicht-Jüdin geheiratet hatte. Die Rashevskis können es niemandem recht machen, egal, was sie tun.<BR>Sam Garbarski hat diese Familiensaga federleicht und ohne belehrenden Unterton inszeniert. Er macht sich mit spürbarer Herzenswärme über Juden, die keine sein möchten, und Nicht-Juden, die gerne welche wären, lustig, ohne seine Charaktere zu verraten. Ob man als orthodoxer Jude oder als liberaler Agnostiker glücklich wird, bleibt jedem selbst überlassen, nur das ist sicher, sonst aber eben nichts.</P><P>Respektlos nutzt Garbarski die Sinnsuche seiner Protagonisten, um mit messerscharfem Wortwitz Vorurteile und Klischees zu sezieren. So muss sich in einer Szene ein Christ, der konvertiert, um die Enkelin der Rashevskis zu heiraten, plötzlich vor seiner neuen jüdischen Familie für seine Religiosität rechtfertigen. Und ein anderer, junger Rashevski möchte ausgerechnet eine Araberin heiraten.</P><P>Er wird es tun, und zwar nach muslimischem Ritus, weil der alte Onkel Dolfo (Nathan Cogan mit gelassener Präsenz) alles arrangiert. Liebe ist das einzige göttliche Gesetz, das er anerkennt. Als Überlebender eines KZ weiß er, dass das Leben ein Geschenk ist. Viel zu kostbar und flüchtig, um sich über Formalitäten den Kopf zu zerbrechen.<BR>Am Ende wird also alles irgendwie gut, ohne dass Garbarski so tun würde, als ob er all die Fragen, die er aufwirft, beantworten könnte. Und genau das macht diesen grandiosen kleinen Film zu einem Meisterwerk.<BR><BR>"Der Tango der Rashevskis"<BR>mit Hippolyte Girardot, Ludmilla Mikael, Michel Jonasz<BR>Regie: Sam Garbarski<BR>Hervorragend </P>

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