Liebe, Klatsch und Tod

- Eine einfache Geschichte: Ein Team kreiert ein Kunstwerk. Und die komplizierteste Geschichte der Welt. Denn was wäre schwieriger, als ein Ensemble hochsensibler, eitler, hypernervöser, um die Ecke denkender Künstler zu bändigen, ihre Energien zu einer gemeinsamen, erfolgreichen Arbeit zu bündeln? Genau davon, vom Entstehungsprozess eines Kunstwerks und den vielen kleinen Randgeschehnissen, die allzu oft zur Hauptsache werden, handelt "The Company", der neue Film von Robert Altman.

<P>Es ist bekanntlich nicht der erste Ensemblefilm dieses Regisseurs. Aber der erste, der auch von einem Ensemble handelt und daher einer der persönlichsten, im autobiografischen Sinne verräterischsten. Angesiedelt im Ballettmilieu (gedreht wurde in Chicago, in den Räumen des Joffrey Ballet), zielt der Streifen doch auf Universelles. Im Zentrum stehen zwei Personen: der energiegeladene künstlerische Direktor Alberto Antonelli, gespielt in einem atemberaubenden, kraftvollen wie hochdifferenzierten Auftritt vom Briten Malcolm MacDowell; und Ry, eine ehrgeizige und begabte Tänzerin.<BR><BR>Sie wird zum Shooting-Star der Saison. Gespielt wird sie von Neve Campbell, einer der besten jungen Darstellerinnen Hollywoods. Dass sie noch mehr kann, belegt sie hier: Campbell, einst eine begabte Tänzerin, schlug Altman das Projekt vor, schrieb das Drehbuch und fungiert als Produzentin.<BR><BR>Um diese beiden Hauptfiguren herum erschafft Altman ein dichtes Panorama. Zu ihm gehören wandelnde Klischees wie die alternde, eifersüchtige Diva, der schwule Tänzer, der "zu weich" für die Rolle ist. Dazu gehört aber auch die kühle Realität des Tänzeralltags zwischen stundenlanger Feinarbeit, körperlichen Zipperlein und der Konzentration auf den einen entscheidenden Augenblick. Es gibt Sex, Essstörungen, Geldprobleme, Kälte und Emotionen, Liebe und Tod, absterbende und neu entstehende Karrieren, vor allem viel, viel Klatsch.<BR><BR>Wieder glückt Altman ein Film, der mit minimalistischem Plot dem Leben in allen seinen Facetten bei der Arbeit zuschaut. Das ist nur scheinbar banal, vielmehr das Schwierigste überhaupt. Denn damit das aufgeht und nicht wie eine 08/15-Doku wirkt, muss genau beobachtet und unmerklich inszeniert werden. Nur so trifft man den richtigen Ton, den entscheidenden Moment, stellt Realität her.<BR><BR>Warmherzige Ironie<BR><BR>"The Company" wäre dabei kein Altman-Film, hätte er nicht auch viel Humor. Doch hinter allem Sarkasmus ist die Ironie diesmal sehr warmherzig. Das mag daran liegen, dass Altman das, was er hier zeigt, viel zu genau kennt, um nicht nachsichtig zu sein. Das betrifft besonders die Figur des Direktors: Denn "The Company" handelt eigentlich davon, wie "Mr. A.", so nennen ihn Kollegen, aus dem Rohmaterial, den Körpern der Tänzer, der Musik, den Einfällen der Bühnenbildner das eigentliche Kunstwerk schafft. Und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn der eine Mr. A. hier nicht auch an den anderen gedacht hätte. </P><P>(In München: Mathäser, Filmcasino.)</P><P>"The Company"<BR>mit Malcolm MacDowell, Neve Campbell, James Franco<BR>Regie: Robert Altman<BR>Hervorragend </P><P> </P>

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