Was die Liebe aus uns macht

- Seit die Menschen Geschichten erzählen, erzählen sie immer auch von der Liebe. Aber ob es diese Liebe wirklich gibt, wurde noch nie zweifelsfrei geklärt. Der Brite Julian Fellowes, für sein Drehbuch zu "Gosford Park" mit einem Oscar ausgezeichnet, nähert sich in seinem Regiedebüt "Geliebte Lügen" dem Thema nun mit einer faszinierenden Haltung: Er versucht gar nicht erst, die Liebe zu enträtseln.

Stattdessen beobachtet er mit geradezu chirurgisch nüchternem Blick, was die Liebe aus uns macht. James und Anne (brillant: Tom Wilkinson und Emily Watson) führen eine harmonische und sorgenfreie Ehe. Zumindest glaubt das James. Aber Anne vertraut ihrem Mann an, dass sie einen Mann überfahren und Fahrerflucht begangen habe. Aus Angst. Denn wenn sie sich stellen würde, käme zwangsläufig heraus, dass sie eine Affäre mit einem jungen Aristokraten hat.

Ein doppelter Schock für Ehemann James, den er erstaunlich gut wegsteckt. Augenblicklich beginnt er, alles Nötige zu unternehmen, um seine Frau zu schützen. Aber er quält sich natürlich ständig mit der nahe liegenden Frage: Wäre es nicht besser gewesen, zufrieden mit der Lüge einer intakten Beziehung zu leben, als von der Wahrheit langsam zerfressen zu werden?

Wo endet Vertrauen, wo beginnt Selbstschutz, und welches Opfer ist die Liebe wert? Präzise, unsentimental und intelligent umkreist der Film diese Fragen immer wieder wie eine endlose Spirale und scheint in jedem Augenblick eine neue Antwort frei zu legen. Am Ende bleibt Ratlosigkeit und als einzige Gewissheit: Die Wahrheit über sich erträgt keiner.

(In München: Tivoli, Mathäser i. O., Cinema i. O.)

Zoran Gojic "Geliebte Lügen" mit Tom Wilkinson, Emily Watson

Regie: Julian Fellowes

Hervorragend

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