Liebe ohne Illusion

- Papageienbunt das Hemd, blondiert und Haarspray gesteift die Strähnen. Wenn der Entertainer Alain Moreau (Gérard Depardieu) die Bühne betritt, scheint die Zeit still zu stehen. In Seniorenheimen, auf Feuerwehrbällen und Tanztee-Nachmittagen gibt der füllige Alleinunterhalter die Chansons seiner berühmten Kollegen Charles Aznavour oder Michel Delpech zum Besten.

Müde blinken silberne Discokugeln, und auch Moreau weiß genau, dass seine besten Zeiten, sollte er je welche erlebt haben, hinter ihm liegen. Bis er eines Tages die Immobilienmaklerin Marion (Cécile de France) trifft und ihr mit seinem altertümlichen Charme den Hof macht.

Das Herz des gutmütigen Alain steht lichterloh in Flammen, während die halb so alte Marion sich reservierter verhält.

Regisseur Xavier Giannoli bezaubert in "Chanson d‘amour" mit dieser Liebesgeschichte aus dem hintersten Stübchen des Showbiz. Obwohl die Inszenierung eher von der Stange kommt und der Plot vom alten Herz, das wieder jung wird, auch schon sein Haltbarkeitsdatum überschritten hat.

Hinreißendes Zusammenspiel

Aber das hinreißende, perfekte Zusammenspiel von de France und Depardieu entschädigt für so manche Wiederholung in der Handlung. Und der in seinen jüngsten Filmen oft so laute Depardieu überzeugt mit sanften Tönen, agiert ungewohnt zurückgenommen und präzise.

Beide Hauptdarsteller beherrschen die zarte Andeutung, die geschickte Balance der Emotionen. Da sitzen am Ende zwei im Café, die sich keine Illusionen mehr machen über die Liebe ­ und geraten gerade deswegen in eines der besten weil gefühligsten und zugleich unkitschigsten Happy Ends der letzten Jahre.

Ab morgen in München: ABC, Eldorado, Theatiner i.O.

"Chanson d‘Amour"

mit Gérard Depardieu,

Cécile de France

Regie: Xavier Giannoli

Sehenswert ****

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