Liebes-Notizen

- Die Leinwandadaption des Nicholas-Sparks-Bestsellers "The Notebook" spielt auf zwei Zeitebenen: In der Gegenwart liest ein gesetzter älterer Herr (James Garner) einer Dame gleichen Alters (Gena Rowlands) aus seinem Notizbuch eine anrührende Romanze vor. In Zeitsprüngen kehrt der Film dann an den Ort dieser Liebesgeschichte zurück, in die amerikanischen Südstaaten der Vierzigerjahre. Das reiche Mädchen Allie lernt den Schreiner Noah kennen, der natürlich arm ist wie eine Kirchenmaus, aber zu Hause Gedichte schreibt. Selbstverständlich wird aus den beiden trotz aller sozialen Hindernisse ein Paar, aber der Zweite Weltkrieg reißt die Liebenden auseinander . . .

<P>Ein Film über zwei, die getrennt werden, obwohl sie füreinander bestimmt sind, funktioniert eigentlich immer. So schlecht können Dialoge gar nicht sein, so miserabel die Schauspieler den Text gar nicht herunterleiern, dass sich kein Fünkchen Esprit mehr zeigt. Deswegen ist "Wie ein einziger Tag" auch rundherum akzeptabel. Mehr aber nicht. </P><P>Elegisch-majestätisch schreiten die Bilder zahlloser Sonnenaufgänge und -untergänge voran, die aus dem Off eingesprochenen Gedichte marschieren feierlich hinterher, und die beiden Darsteller des jungen Liebespaars, Ryan Gosling und Rachel McAdams, geben sich alle Mühe, mit viel Emotion und flirrenden Augenaufschlägen gegen all das Pathos anzuspielen, das ihnen die Buchvorlage aufhalst. Das gelingt mitunter. Schlimm wird es allerdings, wenn nicht. </P><P>Nick Cassavetes führte Regie bei diesem pittoresk umgesetzten Schmalz für die Fans herzzerreißender Liebesfilme. Der Sohn von John Cassavetes und Gena Rowlands, der bislang für ehrenwertes US-Kino abseits des Mainstreams verantwortlich zeichnete, hat diesmal tief in den Kitsch-Topf gegriffen. Die Gründe bleiben bis zum Schluss des Films im Dunkeln. Der Clou, der die beiden zeitversetzten Handlungsstränge verknüpft, wird dagegen schnell offensichtlich - und verdirbt das letzte Restchen Spannung, das sich bis dahin aufbauen konnte. </P><P>Zuckerwattesüße Filme haben durchaus ihre Daseinsberechtigung, erst recht, wenn sie wie hier gut gespielt und elegant umgesetzt werden. Ärgerlich stimmt erst Cassavetes' deutlicher Versuch, der simpel gestrickten Romanze noch ein wenig Tiefenschärfe in Form von Kommentaren über den Sinn des Lebens zu verschaffen. </P><P><BR>"Wie ein einziger Tag"<BR>mit Ryan Gosling, Rachel McAdams, Gena Rowlands<BR>Regie: Nick Cassavetes<BR>Annehmbar </P>

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