Liebesschmelz in Liedern

- Strandparty statt Debütantinnenball, Saris statt Spitzenhäubchen - nach diesem Rezept hat die britisch-indische Regisseurin Gurinder Chadha ("Kick it like Beckham") den leicht angestaubten Jane-Austen-Schinken "Stolz und Vorurteil" entschlossen aktualisiert und kurzerhand ins moderne Bollywood-Kino verfrachtet. Ein gewagtes Unterfangen, aber keineswegs ein an den Haaren herbeigezogenes. Schließlich dreht sich in Austens Büchern und in den meisten Filmen indischer Provenienz alles nur um die wahre und die falsche Liebe, ums Heiraten und Verheiratet-Werden.

Man muss kein Kenner des 1813 verfassten Romans sein, um nach dem ersten Zusammentreffen der heißblütigen Inderin Lalita (Ex-Miss World Aishwarya Rai) und des reichen amerikanischen Hotelbesitzers Will Darcy (Martin Henderson) zu ahnen, wie sehr diese beiden füreinander geschaffen sind. Wer aber mit dem Original vertraut ist, wird eine Menge origineller Einfälle entdecken, mit denen Chadha ihre Austen-Adaption gespickt hat. Aus der Familie Bennett, dem kärglichen Landgut und der bis zum Nervenzusammenbruch dauerplappernden Mutter wird hier die ebenso anstrengende Mama Bakshi, die ebenfalls ihre vier Töchter möglichst gut und finanziell gesichert unter die Haube bringen möchte.

Der im britischen Vorbild dümmlich und eitel auftretende Pfarrer Collins, den die Mutter als passende Partie für ihre zweitälteste Tochter ansieht, wird hier zum lautstarken Angeber Mr. Kholi, der aus Kalifornien ins heimische Punjab zurückkehrt, um sich eine dumme und möglichst gefügige Braut zu suchen. Das ganze Treiben rund um die Brautschau und die dazugehörigen Hochzeitsfeiern versetzt Chadha mit dem fürs Bollywood-Kino typischen Mix aus Tanzeinlagen und Gesang. Wie in amerikanischen Musicals der Vierziger und Fünfziger brechen die Akteure immer mal wieder unvermutet in schmelzendste Liebeslieder aus, und diese Sequenzen taucht Chadha mit Vorliebe in schillernde, quietschbunte Bonbonfarben. Schade nur, dass Henderson als Mr. Darcy in diesem furiosen Spektakel viel zu blass bleibt, um als echter Herzensbrecher durchzugehen.

(In München: Gloria.)

"Liebe lieber indisch"

mit Aishwarya Rai, Martin Henderson

Regie: Gurinder Chadha

Sehenswert

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