Liebestod im Schnee

- Für prächtige Bilder ist Zhang Yimou berühmt. Seit er mit "Rotes Kornfeld" und "Rote Laternen" zum wichtigsten chinesischen Regisseur wurde, besticht er durch die Verbindung einer überraschenden Geschichte mit visuellem Zauber. Eine subtile Bildsprache, die immer doppelsinnig und eigenwillig bleibt. Sein neuer Film handelt einmal mehr von verbotener Liebe und der Selbstbehauptung einer "starken" Frau in der Männerwelt.

<P>Zugleich zeigt er, dass sich der Regisseur dem Massenpublikum öffnen will. Eine Frau zwischen zwei Männern, dazu Wirren aus Krieg und Politik, die sie trennen, am Ende ein Liebestod im Schnee - es ist ein leidenschaftliches Melodram, das Zhang Yimou erzählt: Kino als große Oper und Fest der Sinne. Zugleich voller Feinheiten, lyrisch, musikalisch und ergreifend.</P><P>Im Jahr 859, die Tang-Dynastie ist im Begriff zu zerfallen, begegnet man der Tänzerin Mei, die in Kontakt zur Oppositionsgruppe "Flying Daggers" steht. Zunächst gefangen genommen, lässt die Obrigkeit sie zum Schein befreien. Auf der Flucht verliebt sich ihr Befreier, der eigentlich im Dienst der Tang steht, in sie. Bald eskalieren die Ereignisse. Weit mehr als diese Handlung zählt die Inszenierung. Gleich zu Beginn steht eine ebenso hochgradig artifizielle wie wunderbar ausgefeilte Sequenz: Da tanzt Mei, gekleidet in ein Kleid aus goldener Seide, durchwirkt mit türkisem Stoff. Kinomodernität trifft hier auf Farben, Orte und Themen des chinesischen Mittelalters, Martial-Arts-Choreographie verschmilzt mit dem stilisierten Spiel der Peking-Oper.</P><P>Ganz anders geht es weiter: Ritte durch wilde Natur, Verfolgungsjagden im Wald. Die Farben spiegeln die Geschichte wider: Brauntöne und Herbstfarben, kurz eine gelbe Blumenwiese, das frische Hellgrün eines Bambuswaldes, schließlich eine Winterlandschaft - weiß ist in China die Farbe der Trauer. "House of Flying Daggers" ist grandiose Unterhaltung, ein ekstatisches Fest aus Seide, Blut und Bewegung.</P><P>Hinter der geradlinigen Handlung verbirgt sich ein pessimistischer Lebensentwurf und eine sehr chinesische Erfahrung: die von der Übermacht einer Geschichte überzeugt ist, die persönliche Biografien und Hoffnungen immer wieder zerschlägt. Am Ende sind es politische Fronten und Parteien, die das private Glück genauso zerstören wie Eifersucht und Besitzanspruch. Da beschwört ein Gedicht die Macht der Liebe, erzählt davon, wie Land und Stadt durch sie zerstört werden. Die Schönheit, heißt es, sei unerreichbar. In diesem Film zumindest erleben wir das Gegenteil. </P><P><BR>"House of Flying Daggers"<BR>mit Takeshi Kaneshiro, Zhang Ziyi<BR>Regie: Zhang Yimou<BR>Hervorragend </P>

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