Ein Lied vom Tod

- Keine Frage: Quentin Tarantinos "Kill Bill - Volume 1" ist virtuos inszeniert, voller brillanter Einfälle, anspielungsreich und klug - ausgezeichnetes Kino, mit dem der Regisseur einmal mehr beweist, dass er zu den wichtigsten und besten seiner Generation gehört. Aber "Kill Bill" ist auch ein blutiger Film mit teilweise hohler Story und an einigen Stellen sadistischen Zügen. Was also ist von dieser genialischen Kreuzung aus Truffauts "Die Braut trug Schwarz" und einem Bruce-Lee-Movie zu halten?

<P>Ein Lied vom Tod: Im Zentrum steht die "Braut" (Uma Thurman), die, um die Ermordung ihrer gesamten Hochzeitsgesellschaft zu rächen, die Mörder sucht und einzeln zum Duell fordert. Erzählt wird anfangs in sprunghaftem Hin und Her, dann aber doch linear. Es fällt schwer, sich mit einer Figur klar zu identifizieren. Rache mag verständlich sein, ist aber selten sympathisch. So kann es dem Zuschauer passieren, dass er moralisch oder emotional mehr Anteil an den Gegnern der Braut nimmt. Denn "Copperhead" (Vivicia A. Fox), die ihr schnell zum Opfer fällt, bemüht sich immerhin um eine Versöhnung. Und O-Ren Ishii (Lucy Liu) ähnelt der Braut verdächtig. Im Rückblick wird das Schicksal dieser traumatisierten Frau komplett als japanischer Anime dargestellt, eine der visuell atemberaubenden Sequenzen des Films.</P><P>Der episodisch in Kapiteln erzählte Film ist über weite Strecken eine Augenweide. "Natural Born Killers" trifft "Casino"; Robert Richardson, Kameramann von Stone und Scorsese, gelingen grandiose Momente, deren Wirkung durch die Musik noch verstärkt wird. Langsame, ruhige Sequenzen wechseln sich mit rasanten Kämpfen ab, fast nie ist das langweilig, oft hervorragend inszeniert und immer schön anzusehen.</P><P>Nur zwei, drei Szenen verstören in ihrer Brutalität; während die Gewalt sonst nie Selbstzweck und überdies stilisiert ist. Besser und moderner geht es nicht: Brillant realisiert Tarantino ein unhierarchisches Kino, das Grenzen überschreitet. So bedient der Film gleichzeitig trivialste wie differenzierteste ästhetische Bedürfnisse - man muss ihn gesehen haben. (In München: Mathäser, Marmorhaus, Arri i. O., Royal, Leopold, Atelier, Arena i. O., Cinema i. O., Museum i. O.)</P><P>"Kill Bill - Volume 1"<BR>mit Uma Thurman, Lucy Liu,<BR>David Carradine<BR>Regie: Quentin Tarantino<BR>Hervorragend </P><P> </P>

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