Löwe und Erlöser

- Wir sind selber schuld an den Filmen, die uns vorgesetzt werden. Denn nur der exorbitante Erfolg der Trilogie "Der Herr der Ringe" macht es möglich, dass die Studios, von der angeblichen Nachfrage nach Fantasy beflügelt, alles verfilmen, was in diese Richtung geht. Dass die Wahl auf "Die Chroniken von Narnia" fiel, ist wenig überraschend. Der Autor, Clive Staples Lewis, war mit Tolkien ("Herrn der Ringe") befreundet; und auch bei Lewis geht es um fantastische Parallelwelten, in denen Gut gegen Böse antreten muss.

Nur ist es so, dass "Narnia" von Lewis explizit für Kinder geschrieben wurde, aber von dem Computeranimations-Spezialisten Andrew Adamson im Stil von "Herr der Ringe" inszeniert ist. Ein "Herr der Ringe" für Kinder sozusagen, und damit wird man Lewis und seinem Werk nicht gerecht. Verfilmt wurde der erste Band, "Die Hexe, der Löwe und der Wandschrank" als "König von Narnia". Vier Geschwister werden wegen der deutschen Bombenangriffe auf London aufs Land geschickt und wohnen dort bei einem Professor, der kaum je zu sehen ist. Oscar-Preisträger Jim Broadbent taucht dreimal kurz auf. Die Kinder erkunden das riesige Haus. Lucy, die jüngste, entdeckt dabei in einem Schrank den Durchgang zu einer mysteriösen Welt: Narnia.

Dort ruft die Ankunft der Geschwister Beunruhigung hervor. Eine Prophezeiung sagt ihr Kommen und das damit verbundene Ende der Willkürherrschaft der Weißen Hexe (Tilda Swinton) voraus. Die will die Kinder umbringen. Es gelingt ihr fast, als sie den wankelmütigen Edmund (Skandar Keynes) mit Hilfe von Süßigkeiten und Schmeichelei dazu verleitet, seinen Bruder und die zwei Schwestern zu verraten. Schließlich treten die vier Retter aber doch als Einheit auf und besiegen mit Hilfe des rechtmäßigen Königs von Narnia, dem Löwen Aslan, die Mächte der Dunkelheit. So schlicht wie es klingt, ist es auch.

Der tief gläubige Lewis, vom Zusammenbruch der Zivilisation während des Zweiten Weltkriegs erschüttert, wollte in Narnia die Werte des Christentums transportieren - und der Film setzt das wenig subtil um. Aslan ist eine Messias-Figur.

Dass der Film von Produzenten finanziert wurde, die die Botschaft Christi damit in die Welt tragen wollen, ist unschwer erkennbar. Aber die Wucht der Bilder und die spektakulären Schlachtenszenen wollen nicht so recht zu der sentimentalen Erbauung passen. Oft genug stellt sich aufgrund der hölzernen Dialoge ungewollt Komik ein oder auch Bestürzung. Wenn etwa der Weihnachtsmann auftaucht und Waffen verschenkt. Die Figuren, ohnehin zur Hälfte im Rechner erzeugt, sind derart auf ihre Funktion reduziert, dass sie unglaubwürdig wirken.

Bis auf Tilda Swinton, die als eiskalte Schneekönigin einen grandiosen Auftritt hinlegt. In seiner unverblümten Rücksichtslosigkeit ist das ohnehin der einzig ehrliche Charakter. Denn aller christlicher Bekenner-"Lyrik" zum Trotz geht es hier nur um eines: möglichst viel Geld zu erwirtschaften. Wenn das mit Heilsbotschaften geht, macht man es eben.

(In München: Mathäser, Marmorhaus, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Leopold, Cadillac, Rio, Autokino, Cinema i.O., Forum, Gabriel, Kino Solln.)

"Der König von Narnia"

mit Tilda Swinton, Skandar Keynes

Regie: Andrew Adamson

Erträglich

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