Londoner Fegefeuer

- Kein Strom, kein fließendes Wasser und jeder Tag ein Kampf ums Überleben: Innerhalb nur eines Monats hat ein mysteriöses Virus ganz Großbritannien ins Mittelalter zurückgeworfen. Das ist die ebenso einfache wie faszinierende Ausgangsidee von "28 Days Later", mit dem der britische Regie-Berserker Danny Boyle nach seinem Hollywood-Flop "The Beach" den Weg zurück zu seinen Wurzeln gefunden hat.

<P>Subversiv, intelligent und voll grimmigen Humors schildert er die Odyssee von Jim (der junge Ire Cillian Murphy besticht mit charismatischer Präsenz), der im Krankenhaus aus dem Koma erwacht und ein scheinbar menschenleeres London vorfindet. Und als er endlich andere Menschen trifft, wünscht er sich, die Stadt wäre wirklich unbewohnt. </P><P>Das Virus hat fast die gesamte Bevölkerung in rasende Bestien verwandelt, die ohne Sinn und Verstand jeden attackieren. Wer Glück hat wird getötet, wer Pech hat, wird infiziert und zu einer Art Zombie. Die letzte Hochburg der Zivilisation soll sich in Manchester befinden. Dorthin macht sich Jim mit drei weiteren Überlebenden auf, nur um dort vom Fegefeuer in die Hölle zu geraten.<BR><BR>Mit beklemmend halbdokumentarischen Bildern, die das apokalyptische Szenario perfekt vermitteln, und lakonischen Dialogen gelingt es Boyle, die fantastische Geschichte erschreckend glaubwürdig zu erzählen. Und wie in jedem guten Horrorfilm geht es hier weniger um die Bedrohung, die Boyle klugerweise nicht pseudo-wissenschaftlich zu erklären versucht, sondern darum, wie die Menschen mit der Bedrohung und ihrer Angst davor umgehen. Die eigene Angst ist der eigentliche Feind.<BR><BR>Insofern kann man in dem Film, in dem sich die Gesunden durch den Überlebenskampf in noch brutalere Monster verwandeln als ihre unglückseligen infizierten Opfer, eine politische Allegorie sehen. Allerdings steigert sich Boyle in einen grotesken Blutrausch, der Empfindsamen den Magen umdrehen dürfte. Darum ging es ihm natürlich auch. "28 Days Later" ist ein bewusst radikaler, schmutziger Schocker, der den Zuschauer verstört aus dem Kino entlässt. </P><P>- läuft in folgenden Kinos</P><P>"28 Days Later"<BR>mit Cillian Murphy, Noah Huntley<BR>Regie: Danny Boyle<BR>Sehenswert</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neuer „Harry Potter“-Film kommt - mit einem kleinen Haken
Den von J. K. Rowling erfundenen Zauberlehrling Harry Potter aus Hogwarts kennt jeder. Doch die Produzenten eines anderen Films werfen der Schriftstellerin vor, die Idee …
Neuer „Harry Potter“-Film kommt - mit einem kleinen Haken
Er war der coolste James Bond: Nachruf auf Roger Moore
Trauer um Roger Moore: Der James-Bond-Darsteller ist mit 89 Jahren an Krebs gestorben. Hier lesen sie einen Nachruf auf Roger Moore. 
Er war der coolste James Bond: Nachruf auf Roger Moore
„Pirates of the Caribbean 5“: Routine statt Spannung
Johnny Depp torkelt über die Schiffsplanken, Javier Bardem zeigt Vampirzähnchen - und ein junges Liebespaar gibt es auch. Disneys unverwüstliche Piratensaga geht mit …
„Pirates of the Caribbean 5“: Routine statt Spannung

Kommentare