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Gehen beide baden: André (Stefan Kurt) und Bill (Stanley Townsend).

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"Lovely Louise": Geliebtes Muttersöhnchen

Berlin - Es müssen nicht immer Hammerthemen sein wie Krieg, Elend, Mord oder die große Liebe. Das beweist die Schweizer Regisseurin Bettina Oberli mit ihrem neuen Film "Lovely Louise".

Es müssen nicht immer Hammerthemen sein wie Krieg, Elend, Mord oder die große Liebe. Zwar hat die Schweizer Regisseurin Bettina Oberli 2009 in der Literaturverfilmung „Tannöd“ auch die Niederungen des menschlichen Charakters erkundet. Viel lieber aber widmet sie sich dem Dilemma des modernen Individuums. Wie in ihrer Tragikomödie „Die Herbstzeitlosen“ (2006) suchen in ihrem neuen Film „Lovely Louise“ alte und junge Menschen einen Platz. Das Schwanken und Taumeln der Charaktere zählt zu Oberlis Stilmitteln.

Diesmal erwischt es den Mittfünfziger André. Stefan Kurt legt das Mamasöhnchen im Graubereich zwischen Duldsamkeit und unterdrückter Wut an. Das WG-Leben mit seiner Mutter Louise (Annemarie Düringer), die ihre Schauspielkarriere für André aufgab, wird gestört, als mit dem Amerikaner Bill (Stanley Townsend) ein neues Familienmitglied auftaucht und sich in die ödipale Zweisamkeit hineindrängt. Die Folge ist ein Wust aus Halbwahrheiten, Eifersucht und Andrés Emanzipation. Oberli kleidet die leise Komik und verhaltene Melancholie in wunderschöne Bilder: Pastellfarben, Zentralperspektive, humorvolle Details wie ein Blick auf den kleinbürgerlichen Essteller und Ausflüge in die Optik der Fünfzigerjahre. Diese Tricks verhüllen manchmal jedoch den Konflikt Andrés, indem sie vom Ringen um Freiheit ablenken. Diese kleine Schwäche allerdings macht Oberli durch Liebe zu ihren Figuren und den humanen Gestus ihres Films wett.

Katrin Hildebrand

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