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Sie wollen nur zusammen sein: Richard (Joel Edgerton) und Mildred (Ruth Negga).

„Loving“ – Liebe ist keine Sache der Hautfarbe

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Regisseur Jeff Nichols portraitiert in „Loving“ ein außergewöhnliches Paar. Sie ist schwarz, er weiß – eine Ehe wie ihre ist verboten in den Fünfzigerjahren.

Es knallt laut. Ein dumpfer Schlag gegen die Tür, dann noch einer. Und noch einer. Mitten in der Nacht. Erschrocken setzen sich Richard (Joel Edgerton) und Mildred (Ruth Negga) Loving im Bett auf. Er steht auf, sie sieht ihm furchtsam hinterher. Es ist der letzte Moment der Zweisamkeit. Dann wird die Tür aufgebrochen, Polizisten reißen die beiden aus dem Haus, sperren sie ein. Eine Ehe wie ihre ist verboten im US-Bundesstaat Virginia in den Fünfzigerjahren. Weil er weiß ist und sie schwarz.

Rassendiskriminierung – Alltag in den Südstaaten der 1950er-Jahre

Nur wenige Sekunden andauernde Szenen wie diese genügen dem feinsinnigen Regisseur Jeff Nichols, um den allgegenwärtigen, im Gesetz verankerten Rassismus der US-Südstaaten jener Jahre zu veranschaulichen. Nichols, der schon in „Take Shelter“ und „Mud“ mit seiner intelligenten Bildsprache begeisterte, lässt auch in „Loving“ der Kamera stets den Vorrang. Richard Loving ist ein simpler, ziemlich maulfauler Bauarbeiter, der einfach nur seine Ruhe haben möchte. Er will mit der Frau zusammenleben, die er liebt, und mit den gemeinsamen Kindern. Und in der Stadt, in der sie zu Hause sind, ihre Familien und Freunde wohnen. Doch durch diese schlichten Wünsche wird das Paar, das es wirklich gab, in den späten Fünfzigern zur Provokation.

Nichols gelingt es, Dramatik und Spannung sogar aus Aufnahmen von Landschaften entstehen zu lassen, die andere Regisseure nur abfilmen würden. Jede Einstellung birgt ein Geheimnis, jede Kamerafahrt besitzt eine überraschende Dynamik, eine Art Wendepunkt. Den Lovings geht es nur um Privatsphäre, die man ihnen nicht gönnt. Sie sind an einem Modellprozess am Obersten Gerichtshof nicht interessiert. Das ist alles viel zu weit weg von ihrem Alltag. Sie wollen keine Revoluzzer sein – und dazu missbraucht sie der Film auch nicht. Es gibt viele Szenen, in denen „Loving“ ins Sentimentale, Aufdringliche oder verbissen Aufklärerische hätte abgleiten können. Ins große Gerichtsdrama, das mit viel Pathos jedem Zuschauer ein Tränchen der Rührung ins Auge treibt.

Der Fall „Loving v. Virginia" endete 1967 – mit einer Gesetzesreform

Doch Nichols passiert nichts davon. Zwar waren die Lovings tatsächlich nichts weniger als die Vorreiter einer Gesetzesreform, die 1967 endlich das Eheverbot für „gemischtrassige Verbindungen“ aufhob. Doch Nichols vielschichtiger Film vermittelt vor allem die ruhige, besonnene und unerschütterliche Entschlossenheit eines Paares, so zu leben, wie es will.

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