Eine herrliche Romanze 

"Madame Marguerite“: Sing, wenn du kannst

  • schließen

„Madame Marguerite“ ist vor allem eins: eine ganz große Romanze. Auch wenn es mit den Gesangskünsten eher schlecht aussieht, hat die Hauptfigur in jedem Fall ein großes Herz. 

Madame singt. Mit Herz. Voller Hingabe. Und so schauerlich, dass die Angestellten nur mit Watte in den Ohren arbeiten können, während die Dame des Hauses Tonleitern übt. Die wohlhabende Baronin Marguerite Dumont, herrlich unerschrocken gespielt von der großartigen Catherine Frot, lebt in den Zwanzigerjahren mit ihrem Mann in einem Anwesen vor den Toren von Paris. Seit vielen Jahren ist sie der Sangeskunst zugeneigt, was sich vor allem in üppigen finanziellen Zuwendungen an verschiedene Institutionen zeigt. Doch die Hobby-Sängerin möchte nicht nur zu Hause Arien intonieren, sondern vor Publikum auftreten. Das ist vom Gatten entsprechend bestochen – und applaudiert auch nach der grauenhaftesten Interpretation der „Königin der Nacht“ wohlwollend. Leider befeuert das geheuchelte Lob die Sängerin, endlich einen großen Auftritt in einem Pariser Konzerthaus zu wagen.

Lose angelehnt an die Geschichte der US-amerikanischen Sopranistin Florence Foster Jenkins erzählt Xavier Giannoli seine kuriose Geschichte, die natürlich vor allem eines ist – eine ganz große Romanze. Die eleganten Brechungen und geschickt gesetzten Irritationen, die der Regisseur in die Handlung eingebaut hat, sorgen für eine angenehme Frische in diesem Drama einer liebenswert naiven Frau, die vielleicht kein Gold in der Kehle hat, aber dafür ein goldenes Herz.

„Madame Marguerite“

Mit Catherine Frot, Michel Fau 

Regie: Xavier Giannoli 

Laufzeit: 127 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Chanson d’Amour“ mochten.

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Goldener Bär für Ungarn - Bester Schauspieler aus Österreich
Berlin - Ungarn holt erstmals nach 42 Jahren wieder den Gold-Bären. Und der Österreicher Georg Friedrich wird bei der 67. Berlinale zum besten Schauspieler gekürt.
Goldener Bär für Ungarn - Bester Schauspieler aus Österreich
Es wird spannend: Das sind die Favoriten der Berlinale
Berlin -  Ein Öko-Thriller oder vielleicht auch ein Flüchtlingsdrama: Bei der Berlinale gibt es ein paar Favoriten auf den Gewinn. Am Samstag fällt die Entscheidung.
Es wird spannend: Das sind die Favoriten der Berlinale
“John Wick: Kapitel 2“: Zu zäh um wahr zu sein
Mit „John Wick“ wurde Keanue Reeves endlich wieder erfolgreich, doch „Kapitel 2“ scheint zwar actionreich, aber wenig durchdacht zu sein. Ein Fehler.
“John Wick: Kapitel 2“: Zu zäh um wahr zu sein
„Fences“: Die Wucht der Worte
„Fences“ erzählt von Mauern, die aufgebaut werden, Worten, die eine Familie zusammenhalten und auseinanderbrechen. Ein Film, der zu Recht für einen Oscar nominiert ist. 
„Fences“: Die Wucht der Worte

Kommentare