Madonna im Müll

- Es ist ein lieb gewonnenes Ritual: Immer wenn Pop-Sirene Madonna ihrer schauspielerischen Ambition nachgeht und in einem Spielfilm mitwirkt, wird der von der Kritik in der Luft zerrissen und - viel schlimmer - von den Fans ignoriert. Aber die Gehässigkeit, die Madonna für ihr jüngstes Werk "Stürmische Liebe" entgegenschlug, dürfte sie überrascht haben. Die Rezensionen glichen eher Exekutionen und das Urteil der Zuschauer war erbarmungslos. In den USA spielte der Streifen gerade einmal 500 000 Dollar ein - eine riesige Beleidigung für den Superstar. Allerdings ist das eine verdiente Zurechtweisung für Madonna samt Ehemann und Regisseur Guy Ritchie.

<P>Die Geschichte beruht vage auf Lina Wertmüllers Geschlechterkampf-Posse "Hingerissen von einem ungewöhnlichen Schicksal . . ." (1974): Eine verwöhnte Hysterikerin (Madonna) gerät bei einem Bootsausflug in Seenot und landet mit dem Fischer Pepe (Adriano Giannini) auf einer menschenleeren Insel. Während sie auf Rettung warten, rächt sich Pepe für die Demütigungen, die die launische Millionärsgattin ihm zuvor angedeihen ließ, indem er sie wie eine Sklavin behandelt. Das führt schließlich dazu, dass die beiden irgendwann mit ihren durchtrainierten Astralleibern nackend durch die Dünen laufen und sich lieben.</P><P>So weit, so sinnlos _ "Stürmische Liebe" verstört mit dem komplett verunglückten Versuch, intensives Drama und subversive Komödie zu kreuzen. Die Botschaft, dass man die Liebe einer Frau erzwingen kann, wenn man nur oft und hart genug zutritt, soll vermutlich provozieren, entlässt aber selbst grundsolide Machos peinlich berührt aus dem Kino. Außerdem ist der Film auch handwerklich bestürzend schlecht gemacht, fast als ob Guy Ritchie absichtlich Film-Müll abliefern wollte. Sollte dem so sein, darf man ihm gratulieren, denn einen schlechteren Film bekommt man derzeit nirgends zu sehen. (Marmorhaus, Mathäser, Museum i.O.)</P><P>"Stürmische Liebe"<BR>mit Madonna, Adriano Giannini<BR>Regie: Guy Ritchie<BR>Unerträglich </P><P> </P>

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