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"Ich freue mich auf Opa-Rollen": Der dänische Kino-Star Mads Mikkelsen feiert im Herbst seinen 50. Geburtstag.

Interview zum Kinostart

Mads Mikkelsen: "Ich stehle fremde Träume"

München - Als Bösewicht im James-Bond-Abenteuer "Casino Royale" wurde Mads Mikkelsen weltberühmt. Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht er über durchgeknallte Filme und seine Rolle als nerviger Kindskopf in "Men & Chicken".

Der 49-jährige Däne präsentiert beim Münchner Filmfest die skurrile Komödie „Men & Chicken“, die am Donnerstag bundesweit in den Kinos anläuft. Es ist nach „Flickering Lights“, „Dänische Delikatessen“ und „Adams Äpfel“ schon seine vierte Zusammenarbeit mit dem Autor und Regisseur Anders Thomas Jensen. Im Hotel „Bayerischer Hof“ traf der Münchner Merkur den mehrfach preisgekrönten Hollywood-Star zum Interview.

Ist „Men & Chicken“ Ihr bisher bizarrster Film?

Gut möglich. Keine Ahnung, wie Anders Thomas Jensen es geschafft hat, diese durchgeknallte Geschichte irgendwelchen Geldgebern zu verkaufen. Jedenfalls liebe ich es, immer wieder in sein Universum einzutauchen. Er behandelt große Themen wie Leben und Tod – aber er verpackt sie in völlig verrücktes Geschenkpapier.

Sie spielen einen hitzigen Kindskopf namens Elias, der permanent onaniert. War Ihnen das nicht peinlich?

Nein. Klar, dieser Typ ist peinlich: Elias hat das Gemüt eines Fünfjährigen und benimmt sich wie ein nerviges Kind, das nach Aufmerksamkeit schreit. Aber ich kann mich ja wunderbar hinter ihm verstecken. Es hat auch etwas Befreiendes, ab und zu eine derartige Figur zu spielen. Wenn ich allerdings nur noch solche Rollen bekäme, würde ich vermutlich durchdrehen – und erst recht, wenn ich so jemanden im wirklichen Leben an der Backe hätte.

Wie nähern Sie sich einer solchen Figur, die – wie ich hoffe – wenig mit Ihnen gemein hat?

Da bin ich mir gar nicht so sicher! (Lacht.) Ich versuche, in jeder Rolle etwas von mir selbst wiederzufinden. Wir alle onanieren doch, oder? Vielleicht nicht so oft wie Elias, aber trotzdem… Und etwas Kindisches steckt auch in jedem von uns. Soll ich Ihnen mal was verraten?

Sehr gerne.

Unter uns gesagt: Ich glaube, die Figuren in „Men & Chicken“ basieren auf den eigenen Kindern von Anders Thomas Jensen – die sind nämlich fast genauso verrückt wie Elias und seine Brüder. Vier wundervolle Kids im Alter von drei bis 14 Jahren, mit denen man sich kaputtlachen kann, aber auch wilde Rabauken, die sich ständig streiten und raufen und schreien. Der reinste Albtraum!

Was ist mit Ihren eigenen beiden Kindern? Streiten die sich nie?

Doch, aber nicht so laut und chaotisch. Sie sind selbstverständlich wohlerzogen! (Lacht.)

Sollten sich Ihre Kinder „Men & Chicken“ anschauen?

Na klar! Warum denn nicht? Bestimmt können sie sich besonders gut mit den Kindsköpfen auf der Leinwand identifizieren. Ich weiß, Zensoren machen sich wahrscheinlich in die Hose, weil es in dem Film um Sex mit Tieren geht. Aber Kinder finden das wohl einfach nur lustig – sie leiden zum Glück noch nicht an der unter Erwachsenen weit verbreiteten Krankheit namens „Politische Korrektheit“!

Im Herbst werden Sie 50. Bietet man Ihnen mittlerweile andere Rollen an als früher?

Kaum. Ich spiele jetzt mehr Väter als zu Beginn meiner Karriere, bekomme aber beispielsweise immer noch viele Action-Angebote. Eine Opa-Rolle war bis jetzt noch nicht dabei. Wenn es soweit ist, gebe ich mir sicher nicht die Kugel – im Gegenteil: Ich freue mich schon darauf!

Haben Sie noch Träume?

Ja. Und sie ändern sich ständig. Sie beginnen stets damit, dass ich einen Filmemacher treffe, der einen Traum hat und ihn unbedingt verwirklichen will. Wenn ich das spüre, wird sein Traum zu meinem. Eines Tages fange ich vielleicht selbst damit an, zu schreiben oder Regie zu führen. Aber vorerst genieße ich es, fremde Träume zu stehlen!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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