Das Mädchen und der Mann

- Wie in vielen deutschen Debütfilmen der letzten Zeit geht es auch in "Mein erstes Wunder" ums Erwachsenwerden. Allerdings ist der Fokus ein anderer, und noch dazu ein sehr brisanter. Die elfjährige Dole (Henriette Confurius) fährt mit ihrer Mutter Franziska (Juliane Köhler) und deren neuem Freund an die Ostsee. Anfangs ist sie vor allem damit beschäftigt, Mamas Lover zu vergraulen und am Strand herumzutollen.

<P>Dort trifft Dole den etwa fünfzig Jahre alten Hermann (Leonard Lansink), Vater einer vierköpfigen Familie und von Berufs wegen Vertreter. Im Herzen aber ist er ebenso gestrickt wie Dole: Er baut am liebsten Sandburgen und tobt mit seiner neuen Urlaubsbekanntschaft durch Sand und Wellen. Hermanns Frau ist ebenso entsetzt wie Franziska.<BR><BR>Ein Verhältnis zwischen einem Kind und einem Mann? Die bekannten Horrorszenarien sind allgegenwärtig. Doch Regisseurin Anne Wild lässt keine Zweifel mehr aufkommen: Die Beziehung zwischen Dole und Hermann ist eine tiefe Zuneigung, die sich keineswegs auf sexuelle Attraktion gründet. Aber die Faszination, die der Film verströmt, funktioniert nur deswegen, weil ständig klar bleibt: Das, was zwischen den beiden ist, wiegt schwerer als eine Freundschaft zwischen Kind und Kindskopf - und ist immer haarscharf an dem gefürchteten Tabubruch.<BR><BR>In sanftem Ton und einer spielerischen Leichtigkeit dreht sich bei Anne Wild alles um den niemals sterbenden Wunsch jedes Menschen, den Augenblick festhalten zu können, sich in ein Paralleluniversum voller Licht, Sonne und Glück zu träumen - also um die Gründe, warum man ins Kino geht. </P><P>- Interview mit Juliane Köhler<BR>- läuft in folgenden Kinos</P><P><BR>"Mein erstes Wunder"<BR>mit Juliane Köhler, Henriette<BR>Confurius, Leonard Lansink<BR>Regie: Anne Wild<BR>@ www.meinersteswunder.de <BR>Sehenswert </P>

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