„Mädchen mögen Motorroller!“´

Berlin - Im Interview mit dem Münchner Merkur plaudert US-Schauspieler Tom Hanks über die Komödie „Larry Crowne“, Julia Roberts als Dozentin und wie man sich jünger fühlt, als man ist

Jeans, dunkelblaues Jackett, hellblaue Krawatte: Tom Hanks hat sich für unser Interview in einem Berliner Nobelhotel richtig schick gemacht. Im persönlichen Gespräch wirkt der netteste Kerl von Hollywood weitaus quirliger und pfiffiger als die meisten seiner Filmfiguren. Bei der Liebeskomödie „Larry Crowne“, die morgen anläuft, fungiert er als Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller: Der zweifache Oscar-Gewinner spielt einen herzensguten Durchschnittstypen, der sich nicht unterkriegen lässt.

Sind Sie auch mal wie Larry Crowne aus heiterem Himmel gefeuert worden?

Ich habe mal eine sicher geglaubte Hauptrolle plötzlich wieder verloren. Ich traf mich mit dem Regisseur, und am nächsten Tag rief mich mein Agent an: „Was ist passiert?“ Ich fragte: „Wieso?“ Und er sagte: „Du bist raus aus dem Film!“ Aber anders als Larry Crowne war ich natürlich nicht ganz raus aus dem Beruf - zum Glück, denn die Schauspielerei macht mir einfach irrsinnigen Spaß. Ich kann mir keine schönere Art des Geldverdienens vorstellen und fühle mich wie der glücklichste Mann Amerikas!

Nun haben Sie einen Film über die Finanzkrise gedreht…

Ja, aber das war gar nicht so geplant. Ursprünglich wollte ich bloß die Geschichte eines Mannes erzählen, der sich nach Schicksalsschlägen neu erfindet. Aber als dann in den USA die Immobilienblase platzte und die Menschen reihenweise ihre Häuser verloren, war mir klar: Genau das muss Larry auch passieren.

Hatten Sie beim Schreiben des Drehbuchs von Anfang an Julia Roberts als Filmpartnerin im Kopf?

Ja. Es hat eher als Spinnerei begonnen - ich dachte vor sechs Jahren: „Wie wäre es, wenn du zurück ans College gehst, und Julia Roberts ist deine Dozentin?“ Damals kannte ich sie gar nicht persönlich und hätte nie gedacht, dass ich sie zum Mitmachen überreden könnte. Doch dann drehten wir zusammen „Der Krieg des Charlie Wilson“ und verstanden uns wunderbar. Daraufhin sagte sie mir für meinen Film zu, hielt mich aber immer wieder ganz schön auf Trab. So fragte sie zum Beispiel: „Warum ist meine Filmfigur in dieser Szene so bitter?“ Ich meinte: „Äh, weil es lustiger ist…“ Sie konterte: „Schlechtes Argument. Da musst du noch mal ran.“

Was ist sie für ein Mensch?

Sie ist sehr klug, lässt sich nicht verarschen und erträgt Dummheit nicht. Dafür gibt sie immer ihr Bestes und ist stets fair und respektvoll gegenüber ihrem Team. In der Hinsicht sind wir uns ähnlich. Wenn ich am Set sehe, dass sich Leute gegenseitig anschreien, dann sage ich: „Hey, wir wollen hier alle gemeinsam einen Film drehen, also reißt euch gefälligst zusammen, verdammte Scheiße!“ Verzeihen Sie meine Ausdrucksweise!

Im Film trifft Larry ein flottes Mädchen, das ihn in Stilfragen berät. Haben Sie selbst solche Bekanntschaften gemacht?

Ja, es gab Mädchen, mit denen man einfach gern abhing, und irgendwann sahen sie dich an und meinten: „Alter, du brauchst echt eine neue Hose.“ Bei meinem Film wollten mir unzählige Leute einreden, dass Larry mit der jungen Studentin unbedingt eine Liebesbeziehung haben müsste. Sie fanden, Mann und Frau könnten nicht bloß befreundet sein. Und ich sagte: „Doch! Glaubt ihr im Ernst, dass ein hübsches 22-jähriges Mädchen mit einem 55-Jährigen in die Kiste hüpfen will? Das Leben ist doch kein Film über vögelnde Studenten!“ Verzeihen Sie meine Ausdrucksweise!

Denken Sie übers Älterwerden nach?

Nein. Ich bin glücklich, 55 zu sein. Wenn Sie sich jünger fühlen wollen, habe ich einen todsicheren Tipp für Sie: Verkaufen Sie Ihr Auto und steigen Sie auf Motorroller um! Das wird Ihr Leben verändern: Sie sparen eine Menge Benzin, spüren den Wind in Ihren Haaren und lernen interessante Frauen kennen. Mädchen mögen Motorroller, Mann! Aus Erfahrung kann ich Ihnen garantieren: Da ergeben sich die besten Flirtmöglichkeiten. Nur eines werden Sie dabei leider nicht bekommen: Sex!

Meinen Sie, dass Sie irgendwann für Liebeskomödien zu alt sind?

Ja, ich schätze mal, etwa in sieben Jahren. Kein Mensch will doch Geld dafür zahlen, um im Kino irgendwelchen Knackern beim Fummeln zuzusehen! Oder?

Das Gespräch führte Marco Schmidt

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