Wie Männer in Korruption überleben

- "Mein Name ist Harry. Ich bin ihr Erzähler. Willkommen auf der Party, willkommen in L.A." So wie der Film beginnt - ironisch, gelassen, selbstreflexiv -, so bleibt er bis zum Ende. "Kiss Kiss Bang Bang", schon das ist eine ironische, gleich multiplizierte Erinnerung: an einen Song von Nancy Sinatra, an das gleichnamige Buch der berühmten Filmkritikerin Pauline Kael und an einen James-Bond-Film.

Die Hintergrundstimme, die die Handlung kommentiert, stammt von Harry Lockhardt, der Hauptfigur. Gerade langweilt er sich auf einer Party in Beverly Hills, als - "aber das ist eine andere Geschichte, auf die kommen wir in einer Minute zurück". Alles begann mit einer wilden Flucht vor der Polizei. An ihrem Ende fand sich der erfolglose Einbrecher auf dem Casting für einen Kriminalfilm wieder. Weil sein Auftritt überzeugend wirkte, wurde er sofort verpflichtet. Und so steht er nun auf einer jener typischen wichtigtuerischen Hollywood-Partys.

Erfolgloser Einbrecher kommt ins Kino

Dort trifft er eine schöne Frau - und schöne Frauen bringen Ärger, jedenfalls im Kino. Darum hat Harry (brillant: Robert Downey Jr.) bald ein blaues Auge. Das hindert ihn nicht, an den nächsten Tagen einen echten Privatdetektiv zu begleiten. Denn um einen solchen glaubhaft zu verkörpern, soll er die Wirklichkeit kennenlernen. Bald finden beide eine echte Leiche, und Harry findet sich inmitten einer verworrenen Film-Noir-Intrige wieder, in der es um Mord, Erpressung, Inzest und Identitätstausch geht, aber letztlich vor allem darum, wie ein Mann in einer korrupten Welt überleben und das Mädchen kriegen kann, das er liebt.

Dieser Film hat den Blues. Mit wohldosiertem Ernst zeigt er Figuren, die cool und romantisch, melancholisch und abgebrüht sind, dies in brillant inszenierten, witzigen Szenen. Aufgebaut ist alles nach Kapiteln, jedes trägt den Titel einer Novelle von Chandler. Wie in dessen Kurzgeschichten entschlüsselt ein kommentierender Erzähler Elemente der Geschichte und setzt sie neu zusammen. Doch mehr als eine Hommage an Chandler ist dies eine sardonische Komödie über eine zynische Welt, über die Macht des Geldes, des Scheins und der Täuschung, die Hollywood mit dem (organisierten) Verbrechen gemein hat.

Regisseur Shane Black kann von all dem ein Lied singen: Er hat Anfang der 90er-Jahre die Drehbücher für ein paar erfolgreiche Hollywood-Filme geschrieben. Danach feierte er zehn Jahre lang und verfasste zugleich endlich ein Skript, das genau so war, wie er es gern wollte. In "Kiss Kiss Bang Bang" macht Shane Black einfach nichts falsch. Das Resultat ist eine Verbeugung vor seinen Vorbildern, ein teurer Independent-Film: ein Triumph des Autors und ein filmischer Befreiungsschlag. (In München: Mathäser, Leopold, Cinema i.O.)

"Kiss Kiss Bang Bang"

mit Robert Downey Jr., Val Kilmer

Regie: Shane Black

Hervorragend

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