Magie der Bilder

- Ein junges Mädchen, scheu und spröde. Seine Mutter ist tot. Es lebt mit einem liebevollen Vater zusammen, doch was zählt, ist die Freundin. Als diese nach einem Selbstmordversuch stirbt, bricht für Yeo-Jin eine Welt zusammen. "Samaria" vom koreanischen Autorenfilmer Kim Ki-Duk ist eine Passionsgeschichte, eine Tragödie von archetypischer Kraft über moralische Missverständnisse und die Tugend des Verzeihens.

<P> Ein todtrauriger Film. Und zugleich der bisher schönste des Berlinale-Wettbewerbs, weil hier endlich visuell erzählt wird, man nicht Dialoge und Ideen bebildert. </P><P>Damit ist das ruhig und elegant, mit vielen Anklängen ans französische Kino und unaufdringlichen Verweisen auf die Songs von Serge Gainsbourg sowie die Romane Boris Vians erzählte Werk ein neuer Ausdruck für die Stärke des asiatischen Kinos. Davon wird man sich auch bei uns überzeugen können, denn als erster asiatischer Film der Berlinale hat "Samaria" bereits einen deutschen Verleih. Das Kino Asiens ist ein eigener Kosmos - nicht nur, weil es schon zuhause ein Milliardenpublikum besitzt. <BR><BR>Mal ruhig, mal im schnellen Clipstil geschnitten, mal gegenwärtig, mal zeitlos lässt dieses Kino sich nicht auf einen Nenner bringen. Gemeinsam ist fast allen Arbeiten aber die Betonung des Visuellen und der Emotion. Weniger durchkalkuliert als Hollywood, weniger gedankenschwer als europäische Filme, kann man sich hier von einer fernen, hypermodernen Welt verzaubern lassen, die uns auf den zweiten Blick plötzlich ganz nahe rückt. Etwa in "20 30 40", dem zweiten Wettbewerbsbeitrag aus Asien. Gedreht in Taiwan mit Geld und Stars aus Hongkong findet hier auch eine chinesische Wiedervereinigung statt. Sylvia Changs Film flaniert durch das Leben von drei Frauen, ihre Versuche, Liebe und Unabhängigkeit zu vereinen. </P><P>Noch vor kurzem war die Berlinale eindeutig die europäische Heimat für Asiens Kino. Doch wo einst fünf oder sechs Filme im Wettbewerb liefen, gibt es zum zweiten Mal hintereinander nur zwei. Berlinale-Chef Dieter Kosslick interessiert sich wohl kaum für asiatische Filme. </P><P>Nach wie vor aber ist Asien in den Nebensektionen stark präsent. Besonders lohnenswert der dreiteilige "Infernal Affairs" von Andrew Lau: ein komplex verschachteltes Epos, "Der Pate" des Hongkongkinos, der neben seiner Story über zwei konkurrierende V-Männer die Geschichte des Stadtstaates im letzten Jahrzehnt miterzählt. Eindringliche Bilder der kühleren Art bietet "Untold Scandal" von E. J.-Young: "Gefährliche Liebschaften" auf Koreanisch. </P><P>Elegant und treffsicher wird Chloderos de Laclos' Briefroman im Korea des 18. Jahrhunderts angesiedelt. Hier ist es die strenge, manchmal geradezu lackierte Form, die alles in Fluss bringt: Schnurgerade surrt die Handlung in rhythmischem Gleichmaß ab, bekannt, aber in den Details apart variiert - und statt eines Aufeinanderprallens fremder Kulturen erfährt man wieder einmal überraschende Nähe. <BR><BR></P>

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