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Zita Gaier – sie spielt die neunjährige Christine, die Krieg und Nachkriegszeit in Wien erlebt.

Romanverfilmung

„Maikäfer flieg!“: Nur die Kinder sind frei

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München - Mit „Maikäfer flieg!“ gelingt Regisseurin Mirjam Unger eine gute Verfilmung von Christine Nöstlingers Roman.

Dramatische Ereignisse aus der Sicht eines Kindes zu erzählen, geht im Kino oft schief. Entweder die Geschichte langweilt in ihrer Vorhersehbarkeit – oder die altklugen Kleinen nerven den Zuschauer. Der österreichischen Regisseurin Mirjam Unger gelingt jetzt mit „Maikäfer flieg!“ die erfreuliche Ausnahme. Die neunjährige Christine (Zita Gaier) versteht gerade genug von den Dingen um sie herum, um nicht als naiv zu gelten. Andererseits ist ihr Blick auf die letzten Kriegstage und das zerstörte Wien der Nachkriegszeit genau und klug genug, dass „Maikäfer flieg!“ sogar für Erwachsene spannend ist. Das mag an der behutsamen und feinfühligen Inszenierung liegen. Sicherlich aber an der großartigen Romanvorlage, die Unger adaptierte. Das Kinderbuch stammt von Österreichs Kinderbuch-Königin Christine Nöstlinger. Die 80-Jährige schrieb sich 1973 in „Maikäfer flieg!“ ihre eigenen Erlebnisse von der Seele.

Die kleine Christine im Film kann sich an eine Zeit ohne Krieg gar nicht erinnern. Entscheidend sind für sie elementare Dinge: ein Platz zum Schlafen, ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen. Nachdem eine Bombe ihr Haus zerstört, wird dem Mädchen, ihrer Mutter (Ursula Strauss) und Schwester eine Unterkunft in einer Villa am Stadtrand zugewiesen. Das Zusammenleben mit der verwitweten Frau von Braun (Bettina Mittendorfer) und deren Sohn verläuft nicht reibungslos. Als die Russen einmarschieren, fürchten sich alle vor den Besatzern und bemühen sich um einen Neuanfang. Nur die Kinder bewegen sich relativ frei und unvoreingenommen zwischen den verschiedenen Welten.

Kein Wunder, dass Nöstlinger diese Zeit als die „aufregendsten und spannendsten und vielleicht sogar schönsten Wochen meiner Kindheit“ bezeichnet. Wie in der Glaskugel, die Christl unversehrt in den Trümmern des Elternhauses findet, schieben sich die Dinge, Farben, Formen und Konstellationen immer wieder neu zusammen. Trotzdem wird nichts verkitscht oder verbrämt. Unger, die einige Dokumentarfilme gedreht hat, bemüht sich um Genauigkeit, auch der Situationen und Emotionen. Allein deshalb ist der Film allen Kindern (ab zehn Jahren) und Erwachsenen zu empfehlen, die einen glaubwürdigen Einblick in die frühe Nachkriegszeit erhalten wollen.

„Maikäfer flieg!“

mit Zita Gaier, Ursula Strauss

Regie: Mirjam Unger Laufzeit: 100 Minuten

Sehenswert

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