Malkovich: „Genres sind mir völlig wurscht“

München - Schauspieler John Malkovich spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über die Preise für das Lebenswerk, seinen Auftritt in „Transformers 3“ und ein Theater-Gastspiel in München.

Man sieht ihn erstaunlich oft in kleinen Rollen, doch fast immer sticht er heraus. John Malkovich, 57, gehört zu den ganz Großen des internationalen Filmgeschäfts. Zweimal wurde der Amerikaner bereits für den Oscar nominiert, etwa für seine Rolle als Attentäter in dem Drama „In The Line Of Fire“ an der Seite von Clint Eastwood. Seinen unzähligen Auszeichnungen hat Malkovich gestern Abend den „Cinemerit Award“ des Münchner Filmfestes hinzugefügt. Zuvor trafen wir ihn zum Gespräch auf der Dachterrasse des Hotels Louis am Viktualienmarkt. Malkovich trägt eine blaue Stoffhose mit Blümchenmuster, dazu einen schwarzen Ledergürtel, Chucks und an beiden Händen ziemlich große Ringe. Er ist unrasiert und höflich. Fünfzehn Minuten hat er Zeit, mehr ist nicht drin.

-Herr Malkovich, ist es nicht ein wenig früh für einen Lebenswerk-Preis?

(Lacht.) Ja, vielleicht. Aber man weiß nie, ob so ein Preis zu früh kommt oder nicht. Ich finde es nur immer wieder komisch, dafür belohnt zu werden, dass ich das Glück habe, Filme machen zu dürfen.

-Sie gehören zu den angesehensten Charakterdarstellern der Welt. Trotzdem sieht man Sie immer wieder in anspruchslosen Filmen wie „Con Air“, in denen Sie den psychopathischen Mörder Cyrus the Virus verkörpern. Warum?

Nun, ich kann mir meine Rollen nicht frei aussuchen. Tom Hanks, Tom Cruise und Will Smith, die können das, ich nicht. Ich muss aus einem Angebot auswählen. Und es ist so: Von der Gage, die ich für „Con Air“ bekommen habe, habe ich eine Zeit lang gut leben können. Mehr noch: Ich habe damit Filme wie „Ghost World“ (eine Satire auf die Leere der Pop-Kultur, d. Red.) und „Der Obrist und die Tänzerin“ fast komplett finanziert. Du musst ab und zu eben einen Film machen, den sich die Leute anschauen wollen. Und die Leute wollen sich keine Kunstfilme anschauen.

-Sie spielen oft verrückte Schurken. Fasziniert Sie das Böse?

Nein, nicht wirklich. Ich habe auch gar nicht das Gefühl, so oft einen Bösewicht zu verkörpern. Es ist nur so, dass die Filme, in denen ich einen Schurken spiele, beim Publikum besonders gut anzukommen scheinen. Man müsste die Leute mal fragen, warum das so ist.

-Was macht eine Rolle für Sie spannend?

Ich suche mir meine Figuren nicht nach Gut und Böse aus. Mir muss das ganze Drehbuch gefallen. Das Genre ist mir völlig wurscht. Genres lehne ich sogar für mein iPod ab. Es ist mir egal, ob das jetzt Rap oder HipHop ist, Fado oder klassische Musik. Mich interessiert nur, ob die Musik gut ist und ob ich sie gerade hören will. Und so ist es bei meinen Filmen: Wenn ich von einem Drehbuch denke, das könnte was werden, und ich habe Zeit, dann bin ich gern dabei. Ich habe aber sonst keine feste Regeln, nach denen ich Filme aussuche.

-Stimmt es, dass Sie sich nur ungern auf Ihre Rollen vorbereiten?

Das hängt davon ab, was Sie mit Vorbereitung meinen. Als ich noch sehr jung war und einen Kriegsfotografen spielen sollte, habe ich mit Frontjournalisten gesprochen. Das fand ich nur noch beängstigend, seitdem mache ich so was nicht mehr. Weil es dem Film auch nichts bringt, denn der hält sich immer an das Drehbuch. Wenn es nun aber darum geht, etwas zu lernen, das etwa nur ein Mechaniker kann, dann mache ich das natürlich. Ich nenne das dann aber nicht Vorbereitung, sondern Arbeit.

-Sie werden von dieser Woche an im dritten Teil von Michael Bays „Transformers“ zu sehen sein. Warum sollten Ihre treuen Fans da reingehen?

Ich würde ihn nicht wegen mir anschauen, ich habe nur eine ganz kleine Rolle. Aber ich habe mir den Streifen vergangene Woche bei der Premiere in Moskau angeschaut und muss sagen: So etwas haben Sie noch nicht gesehen. Es ist eine ganz andere Welt, in die Sie da eintauchen. Ich war total verblüfft, wie spektakulär der Film geworden ist und was die heute alles am Computer machen können.

-Meinen Sie die 3D- Technik?

Unter anderem. Ich bin selber keiner, der sich mit dem technischen Krimskrams auskennt. Ich glaube auch nicht, dass ich in der Lage wäre, bei einem 3D-Film Regie zu führen. Was mich an „Transformers 3“ fasziniert hat, ist, dass man überhaupt keinen Unterschied mehr erkennen kann zwischen dem, was tatsächlich mit Schauspielern am Set gedreht wurde und dem, was am Rechner entstanden ist. Es ist unglaublich, aber die Technologie ist so weit, dass sie alle Träume der Regisseure erfüllen kann.

-Sie touren heuer gleich mit zwei Theaterprojekten durch Europa. Wann kommen Sie mal nach München?

Ich glaube, wir sind im nächsten Jahr mal hier, ich weiß allerdings nicht, mit welchem Stück, ob mit der „Infernal Comedy“ oder mit den „Giacomo Variations“. Ich bin ja viel unterwegs mit den beiden Projekten, in ganz Europa: in Portugal, in Italien und in Belgien. München, das kann ich Ihnen zum Abschluss sagen, gefällt mir sehr gut. Es ist eine sehr schöne, sehr lebenswerte Stadt.

Das Gespräch führte Thierry Backes

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