Manches war bitter

- "Ich bedaure nichts. Aber ich habe Dummheiten gemacht." Nach 70 Lebensjahren und über 70 Filmen blickt Anouk Aimée während der Berlinale auf ihr Lebenswerk zurück. Gestern wurde sie dafür in Berlin mit einem Goldenen Bären geehrt, während des Festivals läuft eine Auswahl ihrer Filme. Zur Preisverleihung am Abend hatte sie sich ihren Auftritt als Nachtklubtänzerin in "Lola" (1961) von Jacques Demy ausgesucht, der Film wurde im Anschluss an die Ehrung gezeigt.

"Darin spielt eine Anouk, die ich sehr mag. Zuerst dachte man, ich könne nach meinen bisherigen Rollen eine solche verruchte Frau gar nicht spielen. Aber die Arbeit mit dem großen Demy hat mir sehr gefallen." Zugleich erzählt die Wahl dieses Films auch ein wenig von der Tragik ihrer Karriere. Denn zuerst hatte sie sich, so hörte man durchsickern, für "Achteinhalb" von Federico Fellini entschieden. Doch den offerierte man erst vor einem Jahr zu Ehren von Claudia Cardinale, darum musste Anouk Aimé´e ein anderes Werk wählen.<BR><BR>Das ist typisch für die Schauspielerin. Und es spricht sehr für sie, wie freimütig sie davon erzählt: "Es gibt einige Rollen in großen Filmen, die ich nicht bekam, weil mir eine andere vorgezogen wurde. Das war manchmal bitter." Welche das waren, darüber möchte sie aber keine Auskunft geben. "Die anderen Darstellerinnen waren sehr gut", sagt sie charmant. Lieber spricht sie von den schönen Erinnerungen: "Marcello Mastroianni war mein Lieblingskollege. Was für ein Mann, was für ein Schauspieler! Der war noch toller als Gé´rard Philippe."<BR><BR>Mit 14 Jahren begann Ende der Vierziger ihre Karriere. Früh schon drehte die wunderschöne Schwarzhaarige mit Regie-Legenden: George Cukor, Marcel Carné´ gehörten zu ihren frühen Lehrern. Ihre größte Zeit erlebte sie in den Sechzigerjahren: In den beiden besten Filmen Fellinis war sie dabei, drehte mehrfach mit Jacques Demy, dann auch in Hollywood, etwa in Sidney Lumets "The Appointment". Zuletzt war sie auch im Fernsehen zu sehen, in "Napoleon" als Bonapartes Mutter.<BR><BR>Am berühmtesten aber ist wohl die Rolle, die sie 1966 bei Claude Lelouch hatte: "Ein Mann und eine Frau", ein zeittypisches Tugenddrama, wurde ein internationaler Erfolg und gewann in Cannes: "Claude Lelouch ist für mich ein Familienmitglied. Er ist fantastisch zu Schauspielern. Aber aus der Distanz einiger Jahrzehnte würde ich auch sagen: Der Film wirkt heute etwas papieren. Er ist gealtert, und wir haben nicht ganz das geschafft, was wir wollten."<BR><BR>Vielleicht war sie einfach zu selbstkritisch, um ganz große Karriere zu machen. So erlebte man den Besuch einer würdigen alten Dame, die sich nicht ganz uneitel präsentierte, aber doch sehr offen und verletzlich war: "Ich hoffe", schloss sie ihren Auftritt in Berlin, "dass ich noch nicht ganz am Ende bin. Ich will noch zwei, drei richtig gute Filme machen".<BR> 

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