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Idris Elba als Nelson Mandela in einer Szene des Films "Mandela - Der lange Weg zur Freiheit".

Kinokritik und Filmausschnitt

"Mandela": Vom Leben und Leiden einer Ikone

Berlin - "Mandela: Der lange Weg zur Freiheit" begegnet dem Anti-Apartheidskämpfer mit Respekt, ohne ihn jedoch zu verklären. Wir zeigen den Kinotrailer:

Er war schon zu Lebzeiten eine Legende: Nelson Mandela (1918-2013), der Freiheitskämpfer und Friedensnobelpreisträger, der 27 Jahre lang im Gefängnis saß, bevor er im Jahr 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt wurde. Nun wagt es zum ersten Mal ein Film, den Lebens- und Leidensweg des Anti-Apartheid-Aktivisten nachzuzeichnen.

So erleben wir, wie der junge Anwalt und Frauenheld im Johannesburg der Vierzigerjahre politisch aktiv wird: erst in der gewaltfreien Protestbewegung, dann als Anführer einer bewaffneten Widerstandstruppe. In seiner zweiten Frau Winnie findet er eine Kampf- und Weggefährtin. 1962 wird er festgenommen und daraufhin zu lebenslanger Haft verurteilt. Die lange Trennung entfremdet das Power-Paar politisch und privat: Während Winnie durch Polizeiterror und 16 Monate Isolationshaft zu einer wütenden Hasspredigerin radikalisiert wird, tritt ihr Ehemann nach seiner Begnadigung 1990 vehement für Vergebung statt Vergeltung ein – und durchbricht so auf revolutionäre Weise den jahrzehntelangen Teufelskreis des Terrors.

Natürlich lässt sich ein so ereignisreiches Leben nicht in zweieinhalb Stunden einfangen. Natürlich könnte man nörgeln, dass hier und da das eine oder andere zu kurz kommt. Doch der Film macht eine ganze Menge richtig: Das chronologisch aufgebaute Drehbuch meistert die Gratwanderung zwischen informativer Biografie und Unterhaltungskino – es setzt kluge Schwerpunkte und erweist Mandela den nötigen Respekt, ohne ihn zum Heiligen zu verklären. So werden etwa sein Hang zur Untreue und seine häuslichen Gewaltausbrüche nicht verschwiegen.

Die erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten

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Die kraftvolle, fesselnde Inszenierung von Justin Chadwick („Die Schwester der Königin“) zeigt Mut zum Pathos, ohne das Geschehen zu überzuckern. Und die farbsatten, glänzend komponierten Cinemascope-Aufnahmen bieten ganz großes Überwältigungskino.

Zum Ereignis wird dieses bewegende, bildgewaltige Biopic nicht zuletzt wegen der fabelhaften Hauptdarsteller: Naomie Harris („Skyfall“) macht mit facettenreichem Spiel Winnies Wandlung von der optimistischen jungen Frau zur feindseligen Furie nachvollziehbar. Und Idris Elba („Pacific Rim“) verkörpert das leidenschaftliche Feuer und die Güte des Titelhelden mit unaufdringlicher Souveränität: Er verfügt über das nötige Charisma, um die Faszination für Mandela glaubhaft zu vermitteln – und er erweckt in Sprechweise, Gang, Mimik und Gestik die Ikone zum Leben. Eine schauspielerische Leistung, die sich der historischen Bedeutung Mandelas als wahrhaft würdig erweist.

von Marco Schmidt

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