Ein Mann geht sich aus dem Weg

- An sich ist es ein aberwitziges Projekt, einen Film über die britische Komikerlegende Peter Sellers zu drehen. Denn wer um Himmels willen sollte diesen Mann glaubwürdig darstellen können. Regisseur Stephen Hopkins hatte die richtige Idee: In "The Life and Death of Peter Sellers" schlüpft der Australier Geoffrey Rush in die Rolle. Und ihm gelingt es tatsächlich, das Unmögliche möglich zu machen: Er stellt Peter Sellers fast schon furchterregend authentisch dar und imitiert ihn dennoch nicht, sondern interpretiert den Charakter als eigenständiger Schauspieler.

<P>Eine erstaunliche Leistung in einem erstaunlichen Film, der sich den Gesetzen der Filmbiografie entzieht. Weder wird verklärt, noch eine angebliche Wahrheit über Abgründe gezeigt. Hopkins hat vielmehr eine Art Versuchsanordnung geschaffen, in der aus verschiedenen Blickwinkeln das Leben von Sellers ausgeleuchtet wird. Die Verehrung für das einzigartige Talent von Sellers scheint immer durch, und dennoch zeigt "The Life and Death of Peter Sellers" ein ambivalentes Bild.<BR><BR>Ein schwieriger Mensch ist da zu sehen, der mit Hilfe seines Witzes konsequent echter Kommunikation ausweicht. Ein Mann, der sich selber aus dem Weg geht und immer tiefer in die totale Isolation driftet. Wie mit einem Fahrstuhl fährt Hopkins dabei durch ein Leben und steigt immer mal wieder ein und aus, ohne sich mit langatmigen Erklärungen aufzuhalten. Zu Beginn ist das durchaus fordernd, aber es zahlt sich aus, weil so Spannung aufrecht erhalten und nicht einfach der Terminkalender von Sellers Karriere abgearbeitet wird.<BR><BR>Dabei hat Hopkins das Glück, selbst für kleine Nebenrollen großartige Schauspieler zur Verfügung zu haben. Insbesondere Stanley Tucci bietet eine atemberaubende Vorstellung als undurchschaubarer Stanley Kubrick. Und John Lithgow liefert in der Rolle von Blake Edwards, der Peter Sellers immer wieder zu einer weiteren Fortsetzung von "Der rosarote Panther" überredet, unvergessliche Auftritte ab. Am Ende, als alles vorbei ist, taucht Peter Sellers/ Geoffrey Rush noch einmal als einsamer Betrachter auf und sagt - nichts. Wäre Sellers noch am Leben, würde ihm vermutlich auch nichts zu seiner merkwürdigen Existenz einfallen. <BR><BR>(In München: Mathäser, Cinema i.O.)</P><P><BR>"The Life and Death of Peter Sellers"<BR>mit Geoffrey Rush, Charlize Theron<BR>Regie: Stephen Hopkins<BR>Sehenswert <BR></P>

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