Der Mann meint es ernst

- Ein wenig ist es wie bei einem Gottesurteil mit "Irgendwann in Mexiko": Es gibt keinen Kompromiss. Entweder man wird von dem Irrsinn mitgerissen oder flieht entnervt aus dem Kino. In gewisser Hinsicht ein großes Kompliment, bedeutet es doch, dass der Film in jedem Fall Emotionen weckt; Regisseur Robert Rodriguez würde vermutlich auch Gleichgültigkeit als Beleidigung empfinden.

<P>Viel Herzblut steckt in diesem Werk, mit dem Rodriguez seine "Mariachi"-Reihe fortsetzt. Mit dem Billigstreifen "El Mariachi" (Budget: 7000 Dollar) begann der Texaner mexikanischer Abstammung 1992 seine Tex-Mex-Saga um einen Mann, der sein Geld als Musiker und Killer verdient. In "Desperado", dem Hollywood-Remake von "El Mariachi", reicherte er das Abenteuer mit mythischen Elementen an, nun führt er die Geschichte mit "Irgendwann in Mexiko" als gewaltiges Epos zu einem spektakulären Ende. Rodriguez vermengt Pop-Kultur mit archetypischen Motiven, pendelt dabei virtuos zwischen Größenwahn und Ironie.<BR><BR>Der Präsident Mexikos soll von einem Drogenbaron (Willem Dafoe als charismatischer Bösewicht) gestürzt werden. Das will Revolverheld "El" (Antonio Banderas) verhindern, weil er eine Rechnung mit dem Mafiaboss zu begleichen hat. Der Konflikt mündet ins totalen Chaos, durch das auch noch der großartige Johnny Depp als vertrottelter CIA-Agent torkelt.<BR><BR>Rodriguez lässt seinen Schauspielern viel Raum, um die etwas eindimensionalen Charaktere mit Leben zu füllen. Banderas gibt den melancholischen Outlaw, der seine ermordete Frau (Salma Hayek) rächt, dies mit der ihm eigenen Grandezza, was perfekt zur leicht überdrehten Atmosphäre des Films passt. Die kommt auch Johnny Depp entgegen, der auf geniale Weise ohnehin nur noch so spielt, wie es ihm gefällt.<BR><BR>Die schönsten Momente gehören Hollywood-Zombie Mickey Rourke, der als moralischer Gangster sein Comeback feiert. Trotz all der wunderbaren Einzelleistungen verkommt der Film nie zur Nummernrevue, und das ist die eigentliche Leistung von Rodriguez: dieses Durcheinander mit handwerklichem Können zum funktionierenden Ganzen zu formen. Hinter all den coolen Posen, dem schwarzen Humor und den Actionszenen spürt man eine tiefe Leidenschaft: "Irgendwann in Mexiko" ist vor allem eine flammende Liebeserklärung Rodriguez' an die Heimat seiner Väter. Das ist das Geheimnis dieses Filmwunders - der Mann meint es, trotz des kalkulierten Gelächters, ernst. </P><P><BR>"Irgendwann in Mexiko"<BR>mit Willem Dafoe,<BR>Antonio Banderas, Salma Hayek<BR>Regie: Robert Rodriguez<BR>Sehenswert </P>

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